Holm Friebe, Kathrin Passig: Das nächste große Ding

Richtig gute Kolumnen brauchen viel Hirnschmalz, doch wenn sie mit viel Wissen und einer gewissen Beobachtungsgabe geschrieben sind, dann gibt es auch viele begeisterte Leser. Mit der Berliner Zeitung hatte ich bisher nie etwas zu tun, deshalb sind mir auch die Kolumnen von Holm Friebe und Kathrin Passig leider durch die Lappen gegangen. Umso schöner finde ich, dass der Verbrecher Verlag (ja, der heißt wirklich so), einige besonders gute als Buch herausgegeben hat.

Die Sammlung ist 2006 herausgekommen, die Kolumnen wurden 2004 und 2005 in der Zeitung veröffentlicht und ich bin erst jetzt darauf aufmerksam geworden, da eine Kategorie in der MüHeiHaMaFraLeCha „Eine Kolumnensammlung“ ist. Eine gute Idee und deshalb habe ich mir ohne viele Gedanken zu machen, das dünne weiße Büchlein bestellt.

Ich muss sagen, ich war wirklich überrascht. Gut zehn Jahre alt sind die Texte, doch man meint, man steigt in eine Zeitmaschine und katapultiert sich zurück ins letzte Jahrtausend. Wenn man mal genauer nachdenkt, ist es wirklich unglaublich was in den vergangenen 10 bis 20 Jahren technisch passiert ist. Zum Beispiel vom Handy-Knochen mit dem man telefonieren, SMS schreiben und Snake spielen konnte (und auch das war zu dieser Zeit schon unglaublich) zum heutigen Smartphone, das einige Zeitgenossen nie aus der Hand zu legen scheinen.

In den Kolumnen fokussieren sich die beiden vor allem auf technische Themen, wie sich das Internet weiterentwickelt, was noch kommen wird und unglaublich ist, dass sie wirklich ein paar Dinge voraussagen, doch am spannendsten fand ich diesen Rückblick. Wisst ihr noch seit wann ihr Google nutzt? Oder seit wann es die Suchmaschine gibt? Google Maps? Google Mail? Wenn man mal darüber nachdenkt, ist mir wieder eingefallen, dass alle total heiß auf Google Mail waren und man eine Einladung brauchte.

In einer Kolumne wird auch Google Maps thematisiert, das es erst seit kurzem gab und eigentlich nur in den USA, Kanada und Großbritannien genutzt werden konnte, das es in den anderen Ländern zu viele weiße Flecken gab. Unglaublich, oder? Ich glaube ich gucke dreimal täglich auf Google Maps und kann mir kaum vorstellen wie das vorher funktioniert hat. Doch, wenn ich genauer darüber nachdenke… auch in den Zeiten bevor es Internetflats gab, war es so: Man guckte auf die Landkarte, hielt dann und wann am Straßenrand und guckte nochmal genauer drauf. Irgendwie war das ganz schön entspannende und meist ziemlich nervig.

Ich kann die Kolumnensammlung „Das nächste große Ding“ nur empfehlen. Nicht nur als kurze „Zeitreise“, sondern vor allem, um sich mal klar zu machen wie sehr wir uns selber – in unserem Medienverhalten – in den vergangenen Jahren geändert haben. Darüber mal länger als nur ein paar Sekunden nachzudenken ist es auf jeden Fall wert, würde ich sagen.

Infos:

Das nächste große Ding: Neues von den Fronten des Fortschritts von Holm Friebe und Kathrin Passig ist im Verbrecher Verlag erschienen (2007)

96 Seiten

ISBN: 9783935843683

8 Euro für das Taschenbuch

Bestsellerpotential?

Nein, denn Kolumnen sind nicht jedermanns Sache, außerdem sind die Themen auch sehr spezifisch und techniklastig. Trotzdem ein großartiges Buch!

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Paluten: Die Schmahamas-Verschwörung

Jeder von uns lebt ja in seiner persönlichen Filterblase. Das Wort ist neu, doch das Konzept ist alt. Wer glaubt, er sei besonders offen und nur die Dummen dümpeln in einer Filterblase, irrt, meiner Meinung nach. Natürlich gibt es Menschen, deren Räume, in denen sie sich und ihre Gedanken bewegen, wirklich winzig sind, doch selbst wenn man sich für vieles interessiert, offen ist und immer wieder versucht seine Grenzen einzureißen, gibt es auf jeden Fall Dinge, die man nicht kennt, von denen man  nichts weiß oder die auch einfach zu kompliziert sind. Unsere Welt ist einfach zu komplex, um überall mitreden zu können.

Ich interessiere mich für vieles, spreche mehrere Fremdsprachen, bin auch technisch nicht auf den Kopf gefallen, aber ich kenne auch meine Grenzen, für Astrophysik kann ich mich nicht erwärmen, bei Volksmusik schalte ich gerne ab oder um und ich verstehe bis heute nicht wie man freiwillig Archäologie studieren kann, ich sehe da nur alte Steine. Dann wiederum gibt es Dinge, von denen ich zwar weiß, dass sie existieren, aber nie gedacht habe, dass es so einen Hype drum gibt. Dazu gehören zum Beispiel Bitcoins und YouTouber.

Umso überraschter war ich, als ich mir die Spiegelbestsellerliste in dieser Woche angesehen habe und dort einen Autor auf Platz 1 der Belletristikcharts erspähte, von dem ich noch nie etwas gehört habe. Dann also kurz gegoogelt und festgestellt, dass es sich bei Paluten um einen YouTuber handelt, der schlappe 2,7 Millionen (!) Abonnenten hat. Allerdings geht es in seinem Kanal nichts um Bücher.

Nach einer etwas längeren Recherche, habe ich dann endlich verstanden was er eigentlich tut. Paluten ist ein erfolgreicher Minecraft-Spieler. Minecraft ist ein Open World-Spiel, das sehr pixelig aussieht und die Möglichkeit bietet eigene Welten zu erfinden. Das macht Paluten mit viel Elan und hat „Freedom“ erschaffen und besteht dort mit seiner Freedom Squad viele Abenteuer. Während er es spielt, gucken andere Leute, vor allem Jugendliche, zu und finden das sehr unterhaltsam. Höchstwahrscheinlich bestreitet er damit seinen Lebensunterhalt.

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Kein Wunder, dass sich das Buch so schnell so gut verkauft hat, denn Paluten ist ja nicht doof und hat auch in seinem Youtube-Kanal dafür geworben, bisher ist das Video 287.188 mal aufgerufen worden (Stand 15.04.2018). Da kann jeder Autor nur von träumen. Das Video ist neun Tage vor der Veröffentlichungstermin des Buches erschienen.

Aber worum geht’s denn eigentlich? Die Hauptfigur Paluten hat eine Reise auf die Schmahamas gewonnen, soll aber gleichzeitig noch einen Auftrag ausführen. Auf der Insel auf der die Schmalamas wohnen, kommt es zu Schwierigkeiten und Paluten und seine Freunde stürzen sich in Abenteuer.

Das Buch ist ganz nett geschrieben, kein Wunder, denn Paluten hat sich einen Autor als Unterstützung geholt, das gibt er in seinem Video auch zu. Herausgekommen ist eine nette Abenteuergeschichte, die aus meiner Sicht vor allem für Kinder spannend ist. Andererseits gibt es natürlich einen großen Fanhype um Paluten. Sowohl ihn als Youtuber als auch die Figur, die auch Paluten heißt, die immer in den Spielen rumläuft und deshalb ist die Zielgruppe wahrscheinlich etwas älter, ich vermute vor allem Jugendliche und junge Erwachsene folgen dem Kanal.

Guckt man sich die Bewertungen auf Amazon an, derzeit 4,8 von 5 Sternen, und die Kommentare, handelt es sich ausschließlich um Fans, die sich freuen, dass der Youtuber auch Insidersprüche in dem Buch verwendet hat oder Eltern, die sich freuen, dass ihre Kinder auch mal lesen. Zu den Insidern kann ich natürlich nichts sagen, ich wollte mir zur Recherche nicht alle Videos angucken. Schließlich existiert der Kanal schon seit 2012 und an manchen Tagen veröffentlicht Pdizzle, wie er sich auch nennt auch mal zwei Videos. Das ist also schon eine Menge zusammengekommenp. Wer darauf aber Lust hat, kann das tun, denn im Buch gibt es in Fußnoten immer wieder verweise auf die entsprechenden Folgen.

Insgesamt ist das Buch nicht schlecht, ich finde aber, die Zielgruppe sind eher Kinder und Jugendliche und deshalb habe ich mich schon gewundert, dass „Die Schahamas-Verschwörung“ nicht bei Jugendbüchern geführt wird, schließlich gibt es dafür ja eine eigene Bestsellerliste. Hervorzuheben sind die Wirklich sehr gelungen Zeichnungen der Illustratorin Irina Zinner.

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Spannend finde ich vor allem was andere Buchblogger oder Literaturkritiker über das Buch sagen und vor allem, ob andere Youtuber jetzt auch das Buch für sich entdeckt haben. Vielleicht hat ja auch jemand eine Antwort darauf, ob Menschen, die gerne Youtube-Videos gucken lieber E-Books kaufen oder dann doch die Printversion. Viele Rezensionen habe ich noch nicht gefunden.

Allerdings hat sich sogar der Spiegel dem Buch von Paluten angenommen, sonst kommen Youtuber da ja nicht so häufig vor. Auch Deutschlandfunk Kultur hat sich in der Sendung „Lesart“ mit dem Buch beschäftigt.

Am meisten freue ich mich aber darauf, dass Dennis Scheck in der Sendung „Druckfrisch“ die neue Top Ten Belletristik und damit auch „Die Schmahamas-Verschwörung“ rezensiert. Bei dem Gedanken, dass der Literaturkritiker in dem Buch schmökert und sich Notizen macht, muss ich ja schon schmunzeln, aber vielleicht zieht er sich auch noch ein paar Youtube-Video von Paluten rein, um mehr über den Autor zu erfahren. Die Vorstellung treibt mir das Wasser in die Augen. Die nächste Sendung ist am 29.4.2018 und ich zähle wirklich schon die Tage.

Infos:

Die Schmahamas-Verschwörung : Ein Roman aus der Welt von Minecraft Freedom von Paluten und Klaas Kern, Illustratorin Irina Zinner, Community Editions (29. März 2018)

160 Seiten

ISBN-13: 978-3960960348

12,- Euro für das Hardcover, die E-Book-Ausgabe kostet 9,99 Euro.

Bestsellerpotential?

Ja, denn Paluten hat so viele Fans, da ist es eigentlich egal was er schreibt. Tatsächlich hat er geschafft mit seinem ersten Buch gleich in der ersten Woche Platz 1 der Bestsellercharts erklimmen (Rang 1 in Ausgabe 15 / 2018, Hardcover Belletristik).

Bestseller lesen

Wer bestimmt eigentlich was ein Bestseller ist und warum heißt mein Blog „Deutsche Bestseller“? Das Wort „Bestseller“ heißt ja soviel wie „hat sich ziemlich gut verkauft“ und natürlich ergeben sich die Bestsellercharts in Deutschland aus den verkauften Büchern. Wir Menschen haben ja irgendwie diesen Drang in uns, alles zu bewerten und das beste zu suchen, an Wettbewerben teilzunehmen und zwar nicht weil es Spaß macht, sondern um zu ermitteln wer der beste ist.

Künstlerische Werke wie Musik oder Literatur lassen sich offenbar dadurch einordnen, indem man schaut wie gut sich das jeweilige Buch oder die CD verkauft. Dadurch ergeben sich die Charts , die natürlich keinerlei Qualitätsurteil bieten können, sondern nur widerspiegeln wie erfolgreich es verkauft wurde. Da spielen verschiedene Dinge mit rein, zum Beispiel der Bekanntheitsgrad der Autoren, wie viel Werbung für das Buch gemacht wurde oder ob es den aktuellen Publikumsgeschmack trifft.

Büchercharts gibt es in Deutschland seit 1961. Seitdem hat das Magazin „Der Spiegel“ die Charts veröffentlicht. Seit 1971 ermittelt der Buchreport das Ranking im Auftrag des Spiegels. Knapp zehn Jahre später ist eine eigene Bestsellerliste für Taschenbücher erstellt worden, seit 2002 gibt es dank des Manager Magazins auch eine Liste für Bücher aus dem Themenbereich Wirtschaft, danach kam ein Ranking für Kinder- und Jugendbuch, das mittlerweile in Bilderbuch, Kinderbuch, Jugendbuch und Sachbuch aufgesplittert ist. Dann kamen eigene Bestsellerlisten für DVDs und Hörbücher sowie Paperbacks. Die Infos gibt’s alle unter buchreport.de.

Vor einigen Jahren hatte ich die Idee die Spiegel-Bestsellerliste, die wöchentlich aktualisiert wird, komplett zu lesen, um zu wissen, was gerade „in“ ist, worüber die Leute reden und warum manche Bücher auf dieser Liste landen. Alle Bestsellerlisten durchzulesen, -hören und -gucken ist natürlich ein Ding der Unmöglichkeiten, also habe ich mich dazu entschieden den Fokus auf die Hardcoverliste zu legen, denn dort landen schließlich die Neuerscheinungen.

Spannend ist ja wirklich, dass man an dem, was gerade so in ist – auch bei Büchern – so ein bisschen die derzeitige Stimmung in der Gesellschaft ablesen kann. Zum Beispiel, wenn Biographien herauskommen und diese entweder nur ganz kurz in den Charts aufploppen oder richtiges Interesse besteht, wenn sie sich viele Monate halten. Einen Aha-Moment hatte ich vergangene Woche als auf Platz 1 der Belletristik-Charts das Buch „Freedom – Die Schmahamas-Verschwörung“ stand, ein Buch von einem Autor namens Paluten. Noch nie gehört habe ich mir gedacht und nach kurzer Recherche herausgefunden, dass es sich um einen sehr erfolgreichen Youtouber handelt. Mittlerweile – in der zweiten Woche – ist das Buch auf Platz 2 abgerutscht, hat aber mit Ferdinand von Schirach auch einen harten Gegner.

Schade finde ich, dass man nirgend erfährt, wieviele Bücher tatsächlich verkauft wurden. Da sollte man doch noch ein bisschen nachbessern. Was meint ihr? Würde ich von buchreport.de eine Antwort auf diese Frage bekommen? Ich versuche es einfach mal und werde dann berichten, ob und was dabei herausgekommen ist. Vielleicht weiß ja jemand von euch mehr darüber? Würde mich freuen, wenn ihr euch meldet

Sehr schön, fand ich übrigens den Artikel von Jörg Magenau. Den faszinieren Bestseller nämlich ebenso:

http://www.spiegel.de/kultur/literatur/joerg-magenau-ein-ganzes-buch-ueber-bestseller-a-1194859.html

„Gut gegen Nordwind“ wird verfilmt

Der E-Mail-Roman von Daniel Glattauer gehört zu meinen absoluten Lieblingsbüchern. Langsam, mit leisem Humor und starken Gefühlen erzählt er die Geschichte von zwei Fremden, die sich über eine verirrte E-Mail kennen lernen und ihre Leben sich kreuzen – auch in der Realität. Eine absolute Leseempfehlung und da das Buch bei mir immer noch im Regal steht, werde ich es mir mal wieder schnappen.

Auf der Seite der Neuen Ruhrzeitung (NRZ) habe ich heute die Meldung gelesen, dass das Buch für das Kino verfilmt wird – mit Nora Tschirner in einer der Hauptrollen und dass 800 Komparsen gesucht werden. Allerdings in Düsseldorf, denn dort wird wohl in den kommenden Wochen gedreht.

Den männlichen Part soll Alexander Fehling übernehmen und ich bin wirklich gespannt wie der Film am Ende wird, denn es gibt ja Themen, die eignen sich besser fürs Lesen, andere dagegen muss man zeigen. Bislang dachte ich, dass gerade diese schöne E-Mail-Korrespondenz dem Buch vorbehalten bleiben müsste, wenn ich dann aber wieder etwas in meinem Gedächtnis krame, muss ich ja zugeben, dass es das mit den E-Mails auch schon in Hollywood gab: „E-Mail für dich“ mit Tom Hanks und Meg Ryan, ein schnulziger Liebesfilm, der tatsächlich schon 20 Jahre auf dem Buckel hat!

Das Buch von Daniel Glattauer ist ehrlicherweise auch nicht ganz neu, sondern von 2006 also auch schon zwölf Jahre alt. Ich bin auf jeden Fall gespannt was dabei herauskommt. Laut dem Artikel der NRZ soll der Film von Mitte April bis Anfang Juni in Düsseldorf und Umgebung gedreht werden. Dazu braucht das Filmteam aber noch 800 Komparsen, darunter Männer, Frauen und Kinder. Das Casting ist am Samstag Nachmittag, alle Infos gibt’s auf der Seite der NRZ. Vielleicht geht ja jemand hin und kann dann über die Dreharbeiten berichten?

Quelle:

NRZ (Neue Ruhrzeitung)

Rita Steininger: Für helle Köpfe

Neben viel Belletristik lese ich gerne auch Sachbücher, vor allem wenn sie gut geschrieben sind und man was dabei lernt. Die Autorin Rita Steininger habe ich im Januar bei einem Seminar kennen gelernt. Es ging einen Tag lang um das Thema „Sachbücher schreiben“, denn damit befasse ich mich gerade. Rita Steininger hat jahrelange Erfahrung, insgesamt mehr als 10 Sachbücher verfasst, das Seminar war nicht schlecht und um mal zu gucken, was sie selbst schon veröffentlich hat, habe ich mir neuestes Werk „Für helle Köpfe“ in der Münchner Stadtbibliothek besorgt.

Zum Einen streift das Thema auch mein Schreibthema, zum Anderen hat die Autorin uns – auch anhand dieses Beispiels – erklärt, wie das Exposé ausgesehen hat und wie sie den Verlag vom Titel überzeugt hat. Der schmale Band hat nur 128 Seiten und ist 2017 erschienen. Im Untertitel „Fitness fürs Gehirn“ steht auch schon alles was man über den Inhalt wissen muss. In dem Buch wird anhand der neuesten Forschung vorgestellt wie man sein Hirn fit halten kann und das funktioniert nicht, in dem man jeden Tag Sudoku macht und Gedichte auswendig lernt, sondern indem man Sport macht, sich gut – mit viel „Brainfood“ – ernährt und seine grauen Zellen immer wieder fordert.

Gut gefallen hat mir der sachliche, aber auch durchaus unterhaltsame Schreibstil. Es gibt viele Tipps zum Beispiel auch Rezepte und viele Übungen, die sowohl den Körper als auch das Gehirn fit machen sollen, trotzdem hat mich das Buch nicht überzeugt. Meiner Meinung nach, sind die Erkenntnisse nicht neu, jeder der sich ein bisschen mit dem Thema beschäftigt hat, weiß wahrscheinlich 90 Prozent des Inhaltes sowieso. Ich brauche zum Beispiel keine Erklärung, was der Unterschied zwischen Walking und Nordic Walking ist und mit Mnemotechniken habe ich mich schon deutlich intensiver auseinandergesetzt, als es eine Seite in dem Buch vermag.

Insgesamt ist es eine gelungenes Buch mit vielen Infos, aber wahrscheinlich eher für diejenigen, die sich zum ersten Mal mit dem Thema befassen. Manchmal kommt es etwas altbacken daher, wenn zum Beispiel ein Tipp ist, dass man seinen Computer früh ausmachen muss, damit man gut schlafen kann und auch ein Wecker mit leuchtenden Ziffern störend wirken kann, aber Smartphones, die mittlerweile die Wecker in Deutschen Haushalten verdrängt haben, nicht mit einem Ton erwähnt werden. Wer erste Infos über das wirklich spannendes Thema sucht, der findet kompaktes Wissen innerhalb kürzester Zeit, das nicht kompliziert rüber kommt. Wie gesagt, waren mir die Infos zu grundlegend, nett fand ich am Schluss aber, dass ihre Flamencolehrerin sie zu dem Buch inspiriert hat, denn Tanzen – klar, ihr wisst es schon – ist auch prima für das Gehirn.

Infos:

Für helle Köpfe: Fitness fürs Gehirn von Rita Steiniger, Patmos Verlag (2017)

128 Seiten

ISBN-13: 978-3843609371

13,- Euro

Bestsellerpotential?

Eher nicht, denn es ist schade, aber es interessieren sich immer noch viel zu wenige Menschen dafür wie sie – auch geistig – lange Zeit fit bleiben können, trotzdem für die breite Masse geeignet.

 

Halbzeit

In diesem Jahr habe ich das Lesen wieder ganz vorne auf meine Liste der guten Vorsätze gesetzt, denn das hat in den vergangenen Jahren etwas gelitten. Alle möglichen anderen Hobbies waren wichtiger und der Stapel der ungelesenen Bücher ist ins unendlichen angestiegen. Bücher gekauft habe ich nämlich trotzdem noch.

Tatsächlich kann ich jetzt schon, also nach gut drei Monaten erfreuliches berichten. Bei Goodreads, wo ich seit zwei Jahren Mitglied bin und mit meinen Reading Challenge-Mitstreitern verbunden bin, um zu sehen, was sie denn gerade auf dem Nachttisch liegen haben, gibt es ja auch eine Challenge. Eigentlich eine ganz simple, denn es geht nur darum, dass man angibt wie viele Bücher man in diesem Jahr schaffen will.

Nachdem ich 2016 nur 17 Bücher und 2017 nur 32 Bücher geschafft hatte, wollte ich mich ein bisschen fordern und habe 60 angegeben. Das ist ein bisschen mehr als eins pro Woche. Und Tadaa! Ich bin wirklich erfoglreich. Heute, am 7. März, habe ich schon mein 30. Buch eingetragen (und zugleich das 31.) und bin sozusagen 15 Bücher im Plus, wenn man die Zeit einrechnet. Damit habe ich mir ein gutes Polster erlesen und bin mir ganz sicher, dass ich diese Challenge in diesem Jahr schaffen werde.

Einerseits war es bisher noch nicht so schwierig, weil unter den gelesenen Büchern überdurchschnittlich viele recht kurze Werke waren, andererseits hatte ich das Glück, dass sehr viele außerordentlich gute Bücher dabei waren, die ich euch auch noch nicht alle vorgestellt habe. Acht Stück haben die volle Punktzahl, also 5 Sterne bekommen, was bei mir soviel heißt wie: Sofort lesen, es gibt keine Ausreden. Leider waren auch vier mit nur einem Stern dabei. So häufig daneben gegriffen habe ich auch schon lange nicht mehr.

Bei mir läuft’s auf jeden Fall, es warten noch viele Werke darauf entdeckt zu werden, erst heute habe ich die Bibliothek wieder geplündert. Ich wünsche euch noch ein schönes Lesewochenende und verzieh mich jetzt mit neuem Stoff auf die Couch.

Film: Ein ganzes halbes Jahr

Ich gebe zu, es ist erst ein paar Tage her, dass ich über das Buch geschrieben habe. In dem Beitrag hatte ich ja auch erwähnt, dass „Ein ganzes halbes Jahr“ von Jojo Moyes  2016 auch verfilmt wurde und seitdem ist mir der Film einfach nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Ich hatte ihn zwar schon gesehen, aber heute musste es einfach nochmal sein. Vielen Dank an Amazon Prime für den Herzschmerz.

Häufig ist es ja so, dass Leser von der Verfilmung enttäuscht sind, bei der Verfilmung von Thea Sharrock muss ich sagen, dass die Regisseurin im Prinzip vieles richtig gemacht hat. Die Besetzung ist mit Emilia Clarke (bekannt aus Game of Thrones) als Louisa Clark und Sam Claflin als Will Traynor aus meiner Sicht sehr gelungen. Auch die Geschichte erzählt im Prinzip – natürlich stark gekürzt – den Roman.

Mir hat der Film sehr gut gefallen, natürlich ist der Roman noch ein bisschen besser, aber wer eine schöne Liebesgeschichte sehen will, sollte sich „Ein ganzes halbes Jahr“ nicht entgehen lassen.

Schreiben: Camp NaNoWriMo

Ich muss ja zugeben, dass ich das Wort bzw. das Akronym „NaNoWriMo“ total dämlich finde. Es steht für National Novel Writing Month und ist eine Aktion für angehende Autoren. Es geht darum einen Monat lang richtig in die Tasten zu hauen. Ziel ist es tatsächlich im Monat November, in dem das Projekt NaNoWriMo jedes Jahr stattfindet, 50.000 Wörter also umgerechnet ein ganzes Buch runterzuschreiben.

Coole Idee, hab ich mir gedacht und mich dort vor ein paar Jahren angemeldet, um tatsächlich mal ein Buch in einem Monat zu schreiben, denn das wollte ich ja immer schon. Natürlich habe ich es nicht geschafft. Einerseits bin ich nicht so diszipliniert, andererseits kam es mir so vor, als würden sich alle auf der Plattform schon so gut kennen, dass es unmöglich ist, sich da als Neuling reinzufinden. Also ist der Account zusammen mit vielen anderen Online-Accounts erstmal in einen langen tiefen Winterschlaf gefallen.

Seit vergangenen Sommer verfolge ich das Ziel ein Buch zu schreiben, wieder mit mehr Elan. Auslöser war ein Vortrag bei dem ein Australier, ich glaube, er war Wissenschaftler, erklärte, er habe einen Liebesroman geschrieben und damit sein Leben geändert. Klingt erstmal sehr komisch. Die Quintessenz seines Vortrags, der übrigens „Write a book and change your life in three months“ hieß, dass jeder ein Buch schreiben kann, man muss nur loslegen und dann kann man – vielleicht – auch sein Leben ändern.

Bei ihm hieß das konkret, dass er den kurzen Roman innerhalb der drei Monate geschriebe hat, sich dann ausführlich mit Selfpublishing und Selbstvermarktung befasst hat, allerdings aber kein gut bezahlter Bestsellerautor geworden ist, der so viel Geld eingenommen hat, dass er nicht mehr arbeiten muss. Trotzdem hat ihm seine Aktion etwas gebracht. Er hat seinen gut bezahlten Job an den Nagel hängt und ist jetzt so etwas wie ein Coach, der anderen Menschen hilft, ihren Traum zu verwirklichen. Das muss nicht unbedingt ein Buch sein, sondern kann alles mögliche sein. Vor allem durch den Teil „Selbstmarketing“ hat er offenbar so viel Expertise erworben, dass er sich zugetraut hat nochmal komplett durchzustarten.

Ich will zwar mein Leben nicht komplett umkrempeln, seit dem Sommer bin ich aber wieder mehr an dem Projekt „Buchschreiben“ dran und befasse mich seitdem auch ausführlich mit Möglichkeiten es an den Mann zu bringen (nicht, dass es schon fertig ist). Vor ein paar Tagen habe ich ja schon erzählt, dass ich mehrere Projekte verfolge. Ich will ein Sachbuch bei einem Verlag unterbringen (das fertige Exposé überarbeite ich gerade noch), ich will ein Buch bei Amazon Kindle einfach mal hochladen und gucken was passiert, außerdem habe ich in diesem Jahr schon an zwei Kurzgeschichten-Wettbewerben teilgenommen und hab noch so ein paar Ideen und Projekt, die parallel laufen und über die ich hier auch, wenn es weitergeht berichten will.

Was hat das denn nun alles mit dem NaNoWriMo zu tun? Seit ich mich wieder mehr mit dem Schreiben beschäftigte, habe ich einen Krimischreibkurs besucht – mit dem Ergebnis, dass ich meine dort entstandene Geschichte auch bei einer Lesung präsentieren durfte – und habe mir eine Schreibgruppe gesucht, die sich mittlerweile sehr regelmäßig einmal pro Woche trifft. Eine sehr coole und bunt gemischte Truppe mit der er Spaß macht sich auszutauschen. Einige arbeiten an Manuskripten, die bereits einen Verlag gefunden haben, andere schreiben an ihrem Erstlingswerk, andere eher Kurzgeschichten, manche sind Selfpublisher mit Leib und Seele. Von Sachbuch über Fantasy, Roman und Drehbuch ist alles mögliche dabei, deshalb finde ich vor allem die Termine an denen wir uns gegenseitig vorlesen so spannend, da es viel Input aus ganz verschiedenen Blickwinkeln gibt.

Um jetzt aber wirklich wieder zu diesem unglückseeligen Akronym zurückzukommen. Es gibt nicht nur den Novembertermin. Im April gibt es jedes Jahr auch noch ein Camp NaNoWriMo, so etwas wie die Light-Version, in dem man sein eigenes Ziel angeben kann. In Cabins kann man mit oder „gegen“ Menschen schreiben, die man kennt und das motiviert mich natürlich deutlich mehr. Also war ich mal ganz schön mutig und habe tatsächlich 50.000 Wörter als Ziel angegeben. Im Moment schaut es sehr gut aus, mal sehen, ob ich das einen Monat durchhalte. Ziel ist, das Buch, das ich bei Amazon als Selfpublisher reinstellen möchte, fertig zu stellen und dann… Mal sehen. Wie schaut’s bei euch aus? Schreibt ihr auch? Was sind eure Tricks euch zu motivieren? Und was haltet ihr vom Camp NaNoWriMo?

Ivar Leon Menger, John Beckmann: Die drei ??? und der dreiäugige Totenkopf

Als Kind und Jugendliche habe ich die Bücher von den drei ??? geliebt. Ich glaube, ich habe alle Bände, die die Bücherei hatte, durchgelesen und auch die Hörspiele, die ich auch heute noch gerne höre, haben es mir richtig angetan. Irgendwo in den Tiefen alter Mails bin ich mal über die Rezension von Tina auf Buchnotizen gestoßen. Dort hat sie über die erste Graphic Novel der drei ??? geschrieben, die der Kosmos Verlag herausgebracht hat.

Für meine Reading Challenge 2018 war ich sowieso auf der Suche nach einer Graphic Novel und als alter Fan der drei jungen Detektive, hab ich mir das Buch gleich auf mein Tablet geladen. Es gibt auch eine E-Book-Version des Falls. Für E-Reader würde ich das gerade bei einer Graphic Novel nicht empfehlen, aber auf dem Tablet kommt sie gerade richtig zur Geltung.

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Mit knapp 130 Seiten ist die gezeichnete Geschichte auch nicht zu kurz, um genügend Spannung aufzubauen, dachte ich mir, doch leider wurde ich enttäuscht. Mir hat weder die Geschichte gefallen, obwohl sie dem Stil der drei ??? treu bleibt, aber auch die Zeichnungen passten für mich überhaupt nicht. Ich hatte mir da wohl etwas völlig anderes vorgestellt. Das grau-blau und schwarz-weiß geht für mich überhaupt nicht zusammen, der Zeichenstil gefällt mir auch nicht. Natürlich ist das alles Geschmackssache, aber aus meiner Sicht, passt das alles so nicht zusammen.

Wirklich sehr schade, denn ich bin nach wie vor sehr begeistert von den drei ???, aber ich bleibe dann wohl eher bei den Hörspielen. Für die Bücher bin ich wahrscheinlich schon zu alt, vielleicht ist das auch das Problem, warum mir die Graphic Novel nicht gefallen hat.

Immerhin, bei der Reading Challenge 2018 kann ich ein Häkchen machen.

Infos:

„Die drei ??? und der dreiäugige Totenkopf“ von Ivar Leon Menger und John Beckmann, erschienen im Kosmos Verlag.

128 Seiten.

ISBN: 978-3440141236

Preis: 14,99 Euro für das Taschenbuch, 9,99 Euro für das E-Book

Alter: ab 10 Jahren

Bestsellerpotential?

Jein. War auf keiner Bestsellerliste, hat aber Potential für wahre Drei ???-Fans und von denen gibt es ja viele.

 

Jojo Moyes: Ein ganzes halbes Jahr

Es ist schon etwas her, dass ich das Buch der britischen Autorin Jojo Moyes gelesen habe, trotzdem kommt heute die Rezension. Irgendwann einmal hatte ich auch schon mal über den Roman geschrieben, aber da ja vor langer Zeit mein Blog gehackt wurde und ich dann überhaupt keine Lust mehr hatte den Scherbenhaufen aufzuräumen, ist das ganze im Nirvana verschwunden.

Das Buch steht seitdem in meinem Regal und ich werde es auf keinen Fall weggeben, weil ich mir sicher bin, dass ich es irgendwann mal wieder lesen will. Mit dem Roman hat Jojo Moyes aus meiner Sicht wirklich etwas Wunderbares geschrieben. Es geht um die junge Louisa Clark, die dringend einen neuen Job sucht. In der Arbeitsagentur wird ihr eine vorübergehende Beschäftigung als Pflegerin für einen behinderten Mann angeboten.

Will, der Mann, den sie betreuen soll, ist seit einem Unfall nicht nur querschnittsgelähmt, sondern Tetraplegiker, also vom Hals abwärts gelähmt und hat auf dieses Leben überhaupt keinen Bock. Seine wohlhabenden Eltern versuchen ihm die Situation so angenehm wie möglich zu machen und auch seinen Lebenswillen wieder hervorzulocken. Auch Louisa soll dabei helfen.

Wie das ganze ausgeht ist auf unzähligen Seiten zu lesen, mir hat es sehr gut gefallen und auch dem Großteil derer, die es gelesen haben.  Allein auf Lovelybooks gibt es bis heute fast 11.000 Bewertungen, auf Amazon fast 4,800 mit einem Durchschnittswert von 4,8 von 5 Sternen. Es gab auch aber Kritik, vor allem als der Film mit Emilia Clarke, die man von Game of Thrones kennt und Sam Claflin, den ich vorher ehrlich gesagt noch nicht wahrgenommen hatte. Hier der Trailer

Gesehen habe ich den Film noch nicht, das will ich aber bald nachholen, muss es aber wahrscheinlich mit ein paar Freundinnen machen, weil mein Freund sich strickt weigert. Als „Ein ganzes halbes Jahr“ ins Kino kam, haben vor allem Behinderte sich über die aus ihrer Sicht einseitige Wahrnehmung von Querschnittsgelähmten echauffiert. Christiane Link, die einen Blog auf Zeit.de über die Behindertenpolitik Deutschlands führte, hat in einem Beitrag auch den Film aufgenommen. Harter Tobak, einerseits weiß ich selbst nicht wie sich ein Mensch mit einer Behinderung fühlt, andererseits ist es eben eine Literaturverfilmung und aus meiner Sicht geht es eher darum wie sich ein einzelner, eine fiktive Person fühlt, nicht wie Behinderte im allgemeinen ihr Leben sehen oder ihre Leben dargestellt werden. Natürlich könnte man an dieser Stelle lange diskutieren, aber darum geht es nicht nur. Es geht auch um das Thema Sterbehilfe und Tabus, die es in unserer Gesellschaft eben noch gibt, obwohl der Tod ja zum Leben dazu gehört.

Sonst stehe ich eigentlich nicht so auf Liebesschnulzen, außer mal kurz für Zwischendurch, aber da der Roman so viel mehr ist als eine Liebesgeschichte und eben auch Tabus und gesellschaftliche Probleme anspricht, muss ich sagen, es ist eins der schönsten Bücher, die ich gelesen habe und deshalb habe ich mich einerseits auch gefreut, als ich gehört habe, es geht weiter. Andererseits aber auch nicht, denn meistens sind die Folgeromane ja nicht so gut und nach so einem Knüller, was konnte dann noch kommen. Als es auf Deutsch herauskam, habe ich mir „Ein ganz neues Leben“ gleich gekauft, kurz reingelesen und es dann erstmal ins Regal gestellt. Erst als der dritte Band angekündigt war, hab ich’s wieder hervorgeholt und in den vergangenen Tagen dann beide Bücher gelesen. Die Rezensionen folgen bald, nur so viel will ich schon mal verraten. So schlecht hat es Jojo Moyes nicht gemacht, es ist aber eindeutig schnulziger geworden.

Weitere Rezensionen über das Buch, die mir gut gefallen haben, findet ihr auch auf diesen Blogs:

Buchstabenträumerei

Storytime

My Book Blog.

Alle Infos:

„Ein ganzes halbes Jahr“ (Originaltitel: Me Before You), erschienen bei Rowohlt.

(Mitte Mai will der Verlag eine Sonderausgabe für 10 Euro herausgeben)

512 Seiten

ISBN: 978-3499267031

Preis: 9,99 Euro (Taschenbuch), 9,99 Euro (E-Book)

Bestsellerpotential?

Ja! Beste Platzierung auf der Spiegel-Bestsellerliste: Rang 1 in Ausgabe 15 / 2013 (Paperback Belletristik); 131 Wochen auf der Liste