Holm Friebe, Kathrin Passig: Das nächste große Ding

Richtig gute Kolumnen brauchen viel Hirnschmalz, doch wenn sie mit viel Wissen und einer gewissen Beobachtungsgabe geschrieben sind, dann gibt es auch viele begeisterte Leser. Mit der Berliner Zeitung hatte ich bisher nie etwas zu tun, deshalb sind mir auch die Kolumnen von Holm Friebe und Kathrin Passig leider durch die Lappen gegangen. Umso schöner finde ich, dass der Verbrecher Verlag (ja, der heißt wirklich so), einige besonders gute als Buch herausgegeben hat.

Die Sammlung ist 2006 herausgekommen, die Kolumnen wurden 2004 und 2005 in der Zeitung veröffentlicht und ich bin erst jetzt darauf aufmerksam geworden, da eine Kategorie in der MüHeiHaMaFraLeCha „Eine Kolumnensammlung“ ist. Eine gute Idee und deshalb habe ich mir ohne viele Gedanken zu machen, das dünne weiße Büchlein bestellt.

Ich muss sagen, ich war wirklich überrascht. Gut zehn Jahre alt sind die Texte, doch man meint, man steigt in eine Zeitmaschine und katapultiert sich zurück ins letzte Jahrtausend. Wenn man mal genauer nachdenkt, ist es wirklich unglaublich was in den vergangenen 10 bis 20 Jahren technisch passiert ist. Zum Beispiel vom Handy-Knochen mit dem man telefonieren, SMS schreiben und Snake spielen konnte (und auch das war zu dieser Zeit schon unglaublich) zum heutigen Smartphone, das einige Zeitgenossen nie aus der Hand zu legen scheinen.

In den Kolumnen fokussieren sich die beiden vor allem auf technische Themen, wie sich das Internet weiterentwickelt, was noch kommen wird und unglaublich ist, dass sie wirklich ein paar Dinge voraussagen, doch am spannendsten fand ich diesen Rückblick. Wisst ihr noch seit wann ihr Google nutzt? Oder seit wann es die Suchmaschine gibt? Google Maps? Google Mail? Wenn man mal darüber nachdenkt, ist mir wieder eingefallen, dass alle total heiß auf Google Mail waren und man eine Einladung brauchte.

In einer Kolumne wird auch Google Maps thematisiert, das es erst seit kurzem gab und eigentlich nur in den USA, Kanada und Großbritannien genutzt werden konnte, das es in den anderen Ländern zu viele weiße Flecken gab. Unglaublich, oder? Ich glaube ich gucke dreimal täglich auf Google Maps und kann mir kaum vorstellen wie das vorher funktioniert hat. Doch, wenn ich genauer darüber nachdenke… auch in den Zeiten bevor es Internetflats gab, war es so: Man guckte auf die Landkarte, hielt dann und wann am Straßenrand und guckte nochmal genauer drauf. Irgendwie war das ganz schön entspannende und meist ziemlich nervig.

Ich kann die Kolumnensammlung „Das nächste große Ding“ nur empfehlen. Nicht nur als kurze „Zeitreise“, sondern vor allem, um sich mal klar zu machen wie sehr wir uns selber – in unserem Medienverhalten – in den vergangenen Jahren geändert haben. Darüber mal länger als nur ein paar Sekunden nachzudenken ist es auf jeden Fall wert, würde ich sagen.

Infos:

Das nächste große Ding: Neues von den Fronten des Fortschritts von Holm Friebe und Kathrin Passig ist im Verbrecher Verlag erschienen (2007)

96 Seiten

ISBN: 9783935843683

8 Euro für das Taschenbuch

Bestsellerpotential?

Nein, denn Kolumnen sind nicht jedermanns Sache, außerdem sind die Themen auch sehr spezifisch und techniklastig. Trotzdem ein großartiges Buch!

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Ivar Leon Menger, John Beckmann: Die drei ??? und der dreiäugige Totenkopf

Als Kind und Jugendliche habe ich die Bücher von den drei ??? geliebt. Ich glaube, ich habe alle Bände, die die Bücherei hatte, durchgelesen und auch die Hörspiele, die ich auch heute noch gerne höre, haben es mir richtig angetan. Irgendwo in den Tiefen alter Mails bin ich mal über die Rezension von Tina auf Buchnotizen gestoßen. Dort hat sie über die erste Graphic Novel der drei ??? geschrieben, die der Kosmos Verlag herausgebracht hat.

Für meine Reading Challenge 2018 war ich sowieso auf der Suche nach einer Graphic Novel und als alter Fan der drei jungen Detektive, hab ich mir das Buch gleich auf mein Tablet geladen. Es gibt auch eine E-Book-Version des Falls. Für E-Reader würde ich das gerade bei einer Graphic Novel nicht empfehlen, aber auf dem Tablet kommt sie gerade richtig zur Geltung.

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Mit knapp 130 Seiten ist die gezeichnete Geschichte auch nicht zu kurz, um genügend Spannung aufzubauen, dachte ich mir, doch leider wurde ich enttäuscht. Mir hat weder die Geschichte gefallen, obwohl sie dem Stil der drei ??? treu bleibt, aber auch die Zeichnungen passten für mich überhaupt nicht. Ich hatte mir da wohl etwas völlig anderes vorgestellt. Das grau-blau und schwarz-weiß geht für mich überhaupt nicht zusammen, der Zeichenstil gefällt mir auch nicht. Natürlich ist das alles Geschmackssache, aber aus meiner Sicht, passt das alles so nicht zusammen.

Wirklich sehr schade, denn ich bin nach wie vor sehr begeistert von den drei ???, aber ich bleibe dann wohl eher bei den Hörspielen. Für die Bücher bin ich wahrscheinlich schon zu alt, vielleicht ist das auch das Problem, warum mir die Graphic Novel nicht gefallen hat.

Immerhin, bei der Reading Challenge 2018 kann ich ein Häkchen machen.

Infos:

„Die drei ??? und der dreiäugige Totenkopf“ von Ivar Leon Menger und John Beckmann, erschienen im Kosmos Verlag.

128 Seiten.

ISBN: 978-3440141236

Preis: 14,99 Euro für das Taschenbuch, 9,99 Euro für das E-Book

Alter: ab 10 Jahren

Bestsellerpotential?

Jein. War auf keiner Bestsellerliste, hat aber Potential für wahre Drei ???-Fans und von denen gibt es ja viele.

 

Jojo Moyes: Ein ganzes halbes Jahr

Es ist schon etwas her, dass ich das Buch der britischen Autorin Jojo Moyes gelesen habe, trotzdem kommt heute die Rezension. Irgendwann einmal hatte ich auch schon mal über den Roman geschrieben, aber da ja vor langer Zeit mein Blog gehackt wurde und ich dann überhaupt keine Lust mehr hatte den Scherbenhaufen aufzuräumen, ist das ganze im Nirvana verschwunden.

Das Buch steht seitdem in meinem Regal und ich werde es auf keinen Fall weggeben, weil ich mir sicher bin, dass ich es irgendwann mal wieder lesen will. Mit dem Roman hat Jojo Moyes aus meiner Sicht wirklich etwas Wunderbares geschrieben. Es geht um die junge Louisa Clark, die dringend einen neuen Job sucht. In der Arbeitsagentur wird ihr eine vorübergehende Beschäftigung als Pflegerin für einen behinderten Mann angeboten.

Will, der Mann, den sie betreuen soll, ist seit einem Unfall nicht nur querschnittsgelähmt, sondern Tetraplegiker, also vom Hals abwärts gelähmt und hat auf dieses Leben überhaupt keinen Bock. Seine wohlhabenden Eltern versuchen ihm die Situation so angenehm wie möglich zu machen und auch seinen Lebenswillen wieder hervorzulocken. Auch Louisa soll dabei helfen.

Wie das ganze ausgeht ist auf unzähligen Seiten zu lesen, mir hat es sehr gut gefallen und auch dem Großteil derer, die es gelesen haben.  Allein auf Lovelybooks gibt es bis heute fast 11.000 Bewertungen, auf Amazon fast 4,800 mit einem Durchschnittswert von 4,8 von 5 Sternen. Es gab auch aber Kritik, vor allem als der Film mit Emilia Clarke, die man von Game of Thrones kennt und Sam Claflin, den ich vorher ehrlich gesagt noch nicht wahrgenommen hatte. Hier der Trailer

Gesehen habe ich den Film noch nicht, das will ich aber bald nachholen, muss es aber wahrscheinlich mit ein paar Freundinnen machen, weil mein Freund sich strickt weigert. Als „Ein ganzes halbes Jahr“ ins Kino kam, haben vor allem Behinderte sich über die aus ihrer Sicht einseitige Wahrnehmung von Querschnittsgelähmten echauffiert. Christiane Link, die einen Blog auf Zeit.de über die Behindertenpolitik Deutschlands führte, hat in einem Beitrag auch den Film aufgenommen. Harter Tobak, einerseits weiß ich selbst nicht wie sich ein Mensch mit einer Behinderung fühlt, andererseits ist es eben eine Literaturverfilmung und aus meiner Sicht geht es eher darum wie sich ein einzelner, eine fiktive Person fühlt, nicht wie Behinderte im allgemeinen ihr Leben sehen oder ihre Leben dargestellt werden. Natürlich könnte man an dieser Stelle lange diskutieren, aber darum geht es nicht nur. Es geht auch um das Thema Sterbehilfe und Tabus, die es in unserer Gesellschaft eben noch gibt, obwohl der Tod ja zum Leben dazu gehört.

Sonst stehe ich eigentlich nicht so auf Liebesschnulzen, außer mal kurz für Zwischendurch, aber da der Roman so viel mehr ist als eine Liebesgeschichte und eben auch Tabus und gesellschaftliche Probleme anspricht, muss ich sagen, es ist eins der schönsten Bücher, die ich gelesen habe und deshalb habe ich mich einerseits auch gefreut, als ich gehört habe, es geht weiter. Andererseits aber auch nicht, denn meistens sind die Folgeromane ja nicht so gut und nach so einem Knüller, was konnte dann noch kommen. Als es auf Deutsch herauskam, habe ich mir „Ein ganz neues Leben“ gleich gekauft, kurz reingelesen und es dann erstmal ins Regal gestellt. Erst als der dritte Band angekündigt war, hab ich’s wieder hervorgeholt und in den vergangenen Tagen dann beide Bücher gelesen. Die Rezensionen folgen bald, nur so viel will ich schon mal verraten. So schlecht hat es Jojo Moyes nicht gemacht, es ist aber eindeutig schnulziger geworden.

Weitere Rezensionen über das Buch, die mir gut gefallen haben, findet ihr auch auf diesen Blogs:

Buchstabenträumerei

Storytime

My Book Blog.

Alle Infos:

„Ein ganzes halbes Jahr“ (Originaltitel: Me Before You), erschienen bei Rowohlt.

(Mitte Mai will der Verlag eine Sonderausgabe für 10 Euro herausgeben)

512 Seiten

ISBN: 978-3499267031

Preis: 9,99 Euro (Taschenbuch), 9,99 Euro (E-Book)

Bestsellerpotential?

Ja! Beste Platzierung auf der Spiegel-Bestsellerliste: Rang 1 in Ausgabe 15 / 2013 (Paperback Belletristik); 131 Wochen auf der Liste

Saša Stanišić: Fallensteller

IMG_20170406_000710.jpgIch liebe Romane.

Kurzgeschichten? Erzählungen? Fragmente? Die schreibe ich selbst, weil ich mich noch nicht an einen Roman herangetraut habe. Aus meiner Sicht also etwas für Anfänger, nicht für Profis. Diese Meinung habe ich wahrscheinlich auch, weil ich bisher eigentlich fast nichts aus diesem Genre gelesen habe (Yoko Tawada hatte mich tatsächlich mal eines besseren belehrt).

Trotzdem bin ich mit einer gehörigen Portion Skepsis an das Buch herangegangen. Hinzu kam noch, dass mir Saša Stanišić kein Interview geben wollte, da „er bereits eins geben würde und pro Termin geht nur eins“. (Ich hatte ihn beruflich angefragt) Dann habe ich angefangen „Fallensteller“ angefangen zu lesen und kam so überhaupt nicht rein. Es war frustrierend und fast war ich soweit das Genre „Kurzgeschichte“ wieder ganz weit von mir wegzustoßen.

Doch dann kam die Lesung von Saša Stanišić im Münchner Literaturhaus. Die wollte ich natürlich nicht verpassen, wenn ich schon kein Interview bekommen habe. Und da war der Autor so sympatisch und hat seine Geschichten und Protagonisten zum Leben erweckt, dass ich nur staunen konnte.

Nach der Lesung habe ich das Buch verschlungen und war etwas traurig als ich fertig war. Und am Schluss bin ich zwiegespalten.

Fand ich das Buch nur gut, weil ich – wenigstens einen Teil – mit der Stimme des Autors gehört habe? Fand ich das Buch nur schlecht, weil ich kein Interview bekommen habe? Muss ein Buch bzw. die Geschichten darin, müssen sie nicht immer funktionieren? Egal wie die äußeren Umstände sind?

Ehrlich gesagt, kann ich die Fragen nicht beantworten. Jedenfalls nicht in diesem Fall. Ich weiß – jedenfall jetzt – dass die Geschichten wahrscheinlich eher kein Amateur so hingekriegt hätte. Ich finde „Fallensteller“ ist gute Unterhaltung mit Anspruch. Es gibt viele witzige Stellen und nur weil es ein Band mit Kurzgeschichten ist, heißt das nicht, dass man nach jeder Erzählung eine Pause machen sollte und das Buch weglegen.

Ganz im Gegenteil. Da manche Geschichten weiter erzählt werden, lohnt es sich eigentlich gar nicht aufzuhören. Einfach weiterlesen. Bis zu schluss. Das lohnt sich!

Weitere Rezensionen findet ihr hier:

Bei der Wochenzeitung Zeit

83 von 100 Punkten vergibt Belletristik-Couch.de

Peter liest…

Die aktuellen Büchercharts – 14/2017

Auf den erste Plätzen der deutschen Büchercharts, die der Buchreport für den Spiegel ermittelt, finde ich ein paar alte Bekannte. Jussi Adler-Olsen, Carlos Ruiz-Zafón, Martin Suter, Zsusza Bánk, Sebastian Fitzek und Paul Auster. Von allen habe ich schon etwas gelesen, allerdings noch keins der aktuellen Bestseller. Zsusza Bánk schätze ich besonders, deshalb besorge ich mir zuerst ihr neues Buch und hoffe, dass die Rezension bald folgt.

Und hier der Überblick für die Woche 14/2017

Belletristik

1. Jussi Adler Olsen, Selfies

2. Carlos Ruiz Zafón, Das Labyrinth der Lichter

3. Martin Suter, Elefant

4. Ellena Ferrante, Meine geniale Freundin

5. Julian Barnes, Der Lärm der Zeit

6. Zsuzsa Bánk, Schlafen werden wir später

7. Sabine Ebert, Schwert und Krone. Meister der Täuschung

8. Ellena Ferrante, Die Geschichte eines neuen Namens

9. Sebastian Fitzek, Das Paket

10. Paul Auster, 4 3 2 1

Sachbücher

1. Robin Alexander, Die Getriebenen

2. Eckhard von Hirschhausen, Wunder wirken Wunder

3. Leonhard Horowski, Das Europa der Könige

4. Cameron Bloom und  Bradley Trevor Greive, Penguin Bloom

5. Roger Willemsen, Wer wir waren

6. Peter Wohlleben, Das geheime Leben der Bäume

7. Andrea Wulf, Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur

8. Yuval Noah Harari, Homo Deus

9. Zana Ramadani, Die verschleierte Gefahr

10. Kester Schlenz, Mutti baut ab

Quelle: buchreport.de

 

 

Rita Falk: Winterkartoffelknödel

Ich liebe Regionalkrimis.

Wenn sie gut sind.

„Winterkartoffelknödel“ habe ich von einer guten Freundin zu Weihnachten bekommen, die auch sehr viel liest und mir bisher nur tolle Bücher geschenkt hat. Auch dieses Mal habe ich mich sehr gefreut, als ich das Päckchen aufgemacht habe und – wie des Öfteren – ein Buch zum Vorschein kam, von dem ich vorher noch nie etwas gehört habe. Warum, weiß ich auch nicht. Denn der Debütroman von Rita Falk ist an vielen Stellen sehr gelobt worden. Leider habe ich das irgendwie nicht mitbekommen. Aber macht ja nix. Dafür habe ich ja meine Freundin, die immer die Augen und Ohren offen hält.

Zunächst fand ich das Cover des Buches ziemlich witzig, denn die Tassen, die drauf abgebildet sind, die gab es bei uns früher auch. Ich glaube mein Vater und meine Mutter hatten jeweils eine. Mittlerweile sind die aber nicht mehr da, früher oder später muss wohl jede Tasse mal dran glauben. Auch die Tischdecke, die Kuckucksuhr und die Tapete lassen schon erahnen was einen dann drinnen erwartet. Ziemlich viel Lokalkolorit und Erinnerungen an längst Vergessenes.

Das ist aber nicht als Kritik gemeint, sondern als etwas sehr Schönes. So wie eben alte Erinnerungen wieder wachgerufen werden.

Winterkartoffelknödel

Die Autorin:

Rita Falk wurde 1964 in Oberammergau geboren. Sie ist mit einem Polizeibeamten verheiratet, hat drei Kinder und lebt in Landshut im schönen Niederbayern. Ihr Debü-Provinzkrimi Winter

Bewertung:

4 von 5 Sternen

Infos:

„Winterkartoffelknödel“ von Rita Falk ist bei dtv erschienen. Es ist außerdem als Taschenbuch und eBook erhältlich. Mehr Infos zum Eberhofer Franz und dem zweiten Krimi von Rita Falk gibt es bei einem Special des Verlags.

240 Seiten

Preis: 12,90 Euro (Taschenbuch)

ISBN: 978-3-423-24810-5

David Nicholls: Zwei an einem Tag

Wäre das Buch kein Bestseller und hätte ich das Cover zwischen vielen anderen Büchern gesehen, ich hätte ich definitiv nicht mitgenommen. Drauf sieht man die orangefarbenen Silluetten von zwei Menschen auf gelbem Grund. Auch der Titel „Zwei an einem Tag“ hat mich ehrlich gesagt nicht gerade gefesselt. Deshalb habe ich mich beim Kauf der aktuellen Bestseller eher auf bekannte Namen und ansprechende Cover gestürzt. Da David Nicholls sich aber einige Zeit auf Platz 1 festgesaugt hatte, kam ich ja fast gar nicht drumherum mir das Buch zu besorgen. Und sobald ich zu lesen angefangen hatte, stellte ich mir die Frage. WARUM – UM HIMMELS WILLEN – HAST DU DIESES BUCH NICHT FRÜHER GELESEN?

Denn „Zwei an einem Tag“ ist das schönste, das ich seit langem gelesen habe.

Zwei an einem Tag

Es geht um Emma und Dexter, die sich am Abschlussabend kennen lernen und eine gemeinsame Nacht miteinander verbringen, obwohl sie während der vorherigen Schulzeit so überhaupt nichts miteinander zu tun hatten. Warum auch? Dexter ist der coole Lebemann, der aus einem reichen Elternhaus kommt, Emma ist sehr ordentlich und streberhaft. Gemeinsame Freunde hatten sie nicht.

Doch irgendetwas hat sich in dieser einen Nacht abgespielt. Sie kommen nicht mehr voneinander los. Im Buch wird jeweils der 15. Juli erzählt. Von den 80ern bis ins 21. Jahrtausend und wo die beiden gerade stehen. Dexter zieht es zum Fernsehen. Er wird Moderator und schmeißt mit dem Geld um sich. Emma ist expermentierfreudiger, zieht mit einer Theatertruppe herum, wird Lehrerin und erfindet sich immer wieder neu.

Zwar sind die beiden nicht jedes Jahr am 15. Juli zusammen. Manchmal gibt es eine jahrelange Funkstille, doch irgendwie denken sie immer wieder an einander. Das letzte Drittel des Buches verrate ich jetzt nicht, denn ihr sollt doch noch selber Lust auf „Zwei an einem Tag“ bekommen und nicht das Ende schon vorher kennen.

Ich sage nur eins: Es ist wunderbar!

David Nicholls versteht es unglaublich gut mit Worten umzugehen. Er trifft die richtige Stimmung, kann das drumherum und die Gefühle der einzelnen Personen sehr glaubwürdig darstellen. Die Figuren sind so plastisch beschrieben, dass man fast denken könnte, wenn ich jetzt auf die Straße gehe, dann könnte ich die beiden tatsächlich treffen.

Auch wie sich die beiden im Laufe der Jahre weiter entwickeln, welche Erfahrungen sie machen. All das beschreibt der Autor irre gut. Man mag gar nicht mehr aufhören zu lesen. So schnell habe ich schon lange kein Buch mehr verschlungen.

„Zwei an einem Tag“ ist mein absoluter Lesetipp. Nein! LESEBEFEHL! Los, lesen, sofort!

Das Buch wird derzeit verfilmt. Kinostart in Deutschland ist am 10. November 2011.

Der Autor:

David Nicolls wurde 1966 in Eastleigh geboren und lebt heute in London. Er schauspielerte und wurde dann Drehbuchautor von britischen Serien. Er hatte bereits einige Bestseller-Erfolge. Der erste Roman, der vor allem in England durchstartete war „Keine weiteren Fragen“. Er wurde 1996 verfilmt. Die Filmrechte des zweiten Bestsellers „Ewig Zweiter“ wurden von Tom Hanks gekauft. Den international größten Erfolg erreichte er mit „Zwei an einem Tag“.

Weitere Infos gibt es auf der Webseite von David Nicholls: http://www.davidnichollswriter.com/

Bewertung:

Keine Frage:

5 von 5 Sternen

Infos:

„Zwei an einem Tag“ von David Nicholls ist  bei Heyne als Taschenbuch erschienen.

Die Hardcover-Ausgabe ist im Verlag Kain & Aber erschienen.

Originalausgabe: „One day“ bei Hodder & Stoughton, London 2009 (7,99)

544 Seiten

Preis: 9,99 Euro (Taschenbuch)

ISBN: 978-3-453-81184-3 (Taschenbuch)

Bernd Stelter: Wer abnimmt hat mehr Platz im Leben

Der Titel klingt doch schon mal witzig. Wenn es so weiter geht, verspricht „Wer abnimmt, hat mehr Platz im Leben“ ein unterhaltsames Buch zu sein. Doch wer weiterliest, merkt bald: Das Buch ist nur ein weiteres durchschnittliches Büchlein von einem Comedian, der sich plötzlich berufen sah, nicht nur auf der Bühne zu unterhalten, sondern sich auch mal an etwas schriftliches heran zu wagen.

„Wer abnimmt, hat mehr Platz im Leben“ ist nicht Bernd Stelters erstes Buch, wie man während des Lesens erfährt und wird wahrscheinlich auch nicht sein letztes bleiben. Wie der Pseudo-Diätratgeber es aber auf die vordersten Plätze der Bestseller-Verkaufscharts geschafft hat, ist mir schleierhaft. Klar, es ist solide geschrieben, ab und zu schmunzelt man auch ein bisschen, wenn er von einigen peinlichen Momenten erzählt, die ihm während seines „Dickseins“ so passiert sind. Aber alles in allem ist es kein Buch, das ich weiterempfehlen würde. Wer Bernd Stelter auf der Bühne mag, wird sich wahrscheinlich auch von dem Buch unterhalten. Mein Humor ist ein anderer.

Und wieder einmal kommt mir der Verdacht, dass Menschen, die in irgendeinem Bereich eine gewisse Prominenz erreicht haben, wohl eher zugetraut wird, auch Bücher schreiben zu können. Ich will jetzt nicht ungerecht sein. Flüssig und mit etwas Witz schreiben, das kann Bernd Stelter schon. Der wer hofft richtig gut unterhalten zu werden oder wenigstens etwas über Ernährung und Tipps zum Abnehmen zu bekommen, der wird herbe enttäuscht. Ich will ihn auch nicht mit Machwerken von Prominenten wie Dieter Bohlen und Co. vergleichen. Ich traue ihm durchaus zu, dass er das Buch selbst geschrieben hat, ein gewisser Witz ist ja auch vorhanden, mein Fall ist es aber nicht.

Bewertung:

2 von 5 Sternen

Infos:

„Wer abnimmt, hat mehr Platz im Leben“ von Bernd Stelter ist bei Lübbe als Hardcover sowie als e-Book erschienen

221 Seiten

Preis: 18,00 Euro (Hardcover), 13,99 Euro (Download)

ISBN: 978-3-7857-2408-8

Martin Doerry & Markus Verbeet: Wie gut ist Ihre Allgemeinbildung?

Na, die Antwort darauf wollte man doch schon immer mal wissen!

Deshalb besteht ein Großteil des Fünf-Euro-Buches aus Fragen. Und zwar aus den Bereichen Politik, Geschichte, Wirtschaft, Kultur und Naturwissenschaften. Klingt kompliziert, ist es aber größtenteils nicht. Wer in der Schule einigermaßen aufgepasst hat, ab und zu in die Tageszeitung guckt, die Tagesschau regelmäßig konsumiert und auch mal hier und da über seinen Tellerrand guckt, dem sollte es nicht schwer fallen, zumindest einen Großteil der Fragen zu beantworten.

Was das ganze noch einfacher macht, ist, dass die meisten Fragen vier Antwortmöglichkeiten haben. Wer also gar nichts weiß, hat noch die Möglichkeit zu raten 🙂

Das Buch ist nach einer Online-Aktion von spiegel.de in Zusammenarbeit mit studiVZ entstanden. 2009 wurde der Wissenstest online als „Studenten-Pisa“ durchgeführt. Rund 600.000 Menschen sollen mitgemacht haben und nur 26 Teilnehmer waren in der Lage alle Fragen richtig zu beantworten. Leider bin ich nicht Nummer 27 geworden. Gerade im Bereich Wirtschaft bin ich nicht ganz Up to Date.

Immerhin: 108 von 150 ist gar nicht so schlecht. Damit gehöre ich zu den 25 Prozent der besten. Drei Viertel der Tester haben also noch eine schlechtere Allgemeinbildung als ich.

Insgesamt fand ich die Fragen gut ausgewählt. Allerdings ist mir nicht ganz klar geworden warum es so viele Fragen mit Antwortmöglichkeiten gibt und warum zum Beispiel in der Rubrik Politik Deutsche Bundesländer und Afrikanische Staaten abgefragt werden. Das eine sollte ja wohl wirklich jeder wissen, Afrika dagegen ist ja schon deutlich schwieriger. Da hätte ich mir eine bessere Mischung gewünscht. Zum Beispiel durch alle Kontinente.

Insgesamt ist das Buch ein kurzer Spaß. Der Test geht schnell rum. Als Ergänzung findet man im Anhang Artikel aus dem Spiegel zum Thema Intelligenz und Allgemeinbildung. Darunter ein Interview mit Günter Jauch und einem Professor der bei „Wer wird Millionär?“ mal die Millionenfrage geknackt hat. Außerdem gibt es noch einige Statistiken wer welche Fragen besser beantworten konnte.

Insgesamt ganz nett, vielleicht auch für einen schönen Abend im Freundeskreis, aber nichts besonderes.

Bewertung:

5 von 10 Sternen

Infos:

„Wie gut ist Ihre Allgemeinbildung?“ herausgegeben von Martin Doerry und Markus Verbeet bei KiWi Paperback erschienen. Das Buch gibt es auch als eBook und interaktive App.

158 Seiten

Preis: 5,00 €

ISBN: 978-3-462-04221-4

Axel Lilienblum & Anna Koch: Du hast mich auf dem Balkon vergessen

Seit einiger Zeit befindet sich das Buch „Du hast mich auf dem Balkon vergessen“ in den Charts. Worum es dabei geht, ist schnell erklärt mit der Webseite SMS von gestern Nacht. Dort kann jeder, der in der Nacht skurille Nachrichten von seinen – meist  betrunkenen – Freunden erhalten hat, diese posten. Und ich muss sagen, es sind wirklich verdammt witzige dabei. Ob auch alle echt sind, das weiß keiner. Wobei ich mir bei manchen gedacht habe, die sind so gut, die kann man sich ja fast nicht ausdenken.

Axel Lilienblum und Anna Koch haben die Seite ins Leben gerufen und sich nach einiger Zeit gedacht: Warum die besten Sprüche nicht auch als Buch veröffentlichen? Gesagt, getan. Auch das das Papierformat ist eingeschlagen wie eine Bombe und hat die Charts erobert.

Witzig ist es allemal. Die beiden haben sich wirklich Mühe gegeben die allerbesten SMS auszuwählen. Spaß macht das Buch am meisten, wenn man die SMS vorlesen kann, netter Gesprächsstoff zum Beispiel für eine Party oder einen Abend mit Freunden. Schade ist nur, dass man schnell durch das Buch durch ist und dann ist der Witz auch schon vorbei. Naja, vielleicht hat man die Sprüche ja in drei, vier Jahren wieder vergessen und kramt das Buch dann zu einer passenden Gelegenheit wieder raus.

Und hier eine kleine Kostprobe:

3:25
Alter, ich bin so voll … Grad auf dem Weg nach Hause! Wo bist du?
3:27
Auf dem Rücksitz!?

23:40
Falls meine Freundin fragt, ich schlaf heut Nacht
bei dir, hier gehts ab wie Sau! 🙂
23:53
Dasselbe hat sie mir eben auch geschrieben.

Fazit:

Definitiv witzig, hat allerdings nur eine kurze Haltwertzeit. Kann, muss aber nicht.

Infos:

Das Buch „Du hast mich auf dem Balkon vergessen“ von Axel Lilienblum & Anna Koch ist als Taschenbuch bei Rowohlt (rororo) erschienen.

284 Seiten

Preis: 8,99 €

ISBN: 978-3499626944

Leseprobe bei Rowohlt