Holm Friebe, Kathrin Passig: Das nächste große Ding

Richtig gute Kolumnen brauchen viel Hirnschmalz, doch wenn sie mit viel Wissen und einer gewissen Beobachtungsgabe geschrieben sind, dann gibt es auch viele begeisterte Leser. Mit der Berliner Zeitung hatte ich bisher nie etwas zu tun, deshalb sind mir auch die Kolumnen von Holm Friebe und Kathrin Passig leider durch die Lappen gegangen. Umso schöner finde ich, dass der Verbrecher Verlag (ja, der heißt wirklich so), einige besonders gute als Buch herausgegeben hat.

Die Sammlung ist 2006 herausgekommen, die Kolumnen wurden 2004 und 2005 in der Zeitung veröffentlicht und ich bin erst jetzt darauf aufmerksam geworden, da eine Kategorie in der MüHeiHaMaFraLeCha „Eine Kolumnensammlung“ ist. Eine gute Idee und deshalb habe ich mir ohne viele Gedanken zu machen, das dünne weiße Büchlein bestellt.

Ich muss sagen, ich war wirklich überrascht. Gut zehn Jahre alt sind die Texte, doch man meint, man steigt in eine Zeitmaschine und katapultiert sich zurück ins letzte Jahrtausend. Wenn man mal genauer nachdenkt, ist es wirklich unglaublich was in den vergangenen 10 bis 20 Jahren technisch passiert ist. Zum Beispiel vom Handy-Knochen mit dem man telefonieren, SMS schreiben und Snake spielen konnte (und auch das war zu dieser Zeit schon unglaublich) zum heutigen Smartphone, das einige Zeitgenossen nie aus der Hand zu legen scheinen.

In den Kolumnen fokussieren sich die beiden vor allem auf technische Themen, wie sich das Internet weiterentwickelt, was noch kommen wird und unglaublich ist, dass sie wirklich ein paar Dinge voraussagen, doch am spannendsten fand ich diesen Rückblick. Wisst ihr noch seit wann ihr Google nutzt? Oder seit wann es die Suchmaschine gibt? Google Maps? Google Mail? Wenn man mal darüber nachdenkt, ist mir wieder eingefallen, dass alle total heiß auf Google Mail waren und man eine Einladung brauchte.

In einer Kolumne wird auch Google Maps thematisiert, das es erst seit kurzem gab und eigentlich nur in den USA, Kanada und Großbritannien genutzt werden konnte, das es in den anderen Ländern zu viele weiße Flecken gab. Unglaublich, oder? Ich glaube ich gucke dreimal täglich auf Google Maps und kann mir kaum vorstellen wie das vorher funktioniert hat. Doch, wenn ich genauer darüber nachdenke… auch in den Zeiten bevor es Internetflats gab, war es so: Man guckte auf die Landkarte, hielt dann und wann am Straßenrand und guckte nochmal genauer drauf. Irgendwie war das ganz schön entspannende und meist ziemlich nervig.

Ich kann die Kolumnensammlung „Das nächste große Ding“ nur empfehlen. Nicht nur als kurze „Zeitreise“, sondern vor allem, um sich mal klar zu machen wie sehr wir uns selber – in unserem Medienverhalten – in den vergangenen Jahren geändert haben. Darüber mal länger als nur ein paar Sekunden nachzudenken ist es auf jeden Fall wert, würde ich sagen.

Infos:

Das nächste große Ding: Neues von den Fronten des Fortschritts von Holm Friebe und Kathrin Passig ist im Verbrecher Verlag erschienen (2007)

96 Seiten

ISBN: 9783935843683

8 Euro für das Taschenbuch

Bestsellerpotential?

Nein, denn Kolumnen sind nicht jedermanns Sache, außerdem sind die Themen auch sehr spezifisch und techniklastig. Trotzdem ein großartiges Buch!

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Rita Steininger: Für helle Köpfe

Neben viel Belletristik lese ich gerne auch Sachbücher, vor allem wenn sie gut geschrieben sind und man was dabei lernt. Die Autorin Rita Steininger habe ich im Januar bei einem Seminar kennen gelernt. Es ging einen Tag lang um das Thema „Sachbücher schreiben“, denn damit befasse ich mich gerade. Rita Steininger hat jahrelange Erfahrung, insgesamt mehr als 10 Sachbücher verfasst, das Seminar war nicht schlecht und um mal zu gucken, was sie selbst schon veröffentlich hat, habe ich mir neuestes Werk „Für helle Köpfe“ in der Münchner Stadtbibliothek besorgt.

Zum Einen streift das Thema auch mein Schreibthema, zum Anderen hat die Autorin uns – auch anhand dieses Beispiels – erklärt, wie das Exposé ausgesehen hat und wie sie den Verlag vom Titel überzeugt hat. Der schmale Band hat nur 128 Seiten und ist 2017 erschienen. Im Untertitel „Fitness fürs Gehirn“ steht auch schon alles was man über den Inhalt wissen muss. In dem Buch wird anhand der neuesten Forschung vorgestellt wie man sein Hirn fit halten kann und das funktioniert nicht, in dem man jeden Tag Sudoku macht und Gedichte auswendig lernt, sondern indem man Sport macht, sich gut – mit viel „Brainfood“ – ernährt und seine grauen Zellen immer wieder fordert.

Gut gefallen hat mir der sachliche, aber auch durchaus unterhaltsame Schreibstil. Es gibt viele Tipps zum Beispiel auch Rezepte und viele Übungen, die sowohl den Körper als auch das Gehirn fit machen sollen, trotzdem hat mich das Buch nicht überzeugt. Meiner Meinung nach, sind die Erkenntnisse nicht neu, jeder der sich ein bisschen mit dem Thema beschäftigt hat, weiß wahrscheinlich 90 Prozent des Inhaltes sowieso. Ich brauche zum Beispiel keine Erklärung, was der Unterschied zwischen Walking und Nordic Walking ist und mit Mnemotechniken habe ich mich schon deutlich intensiver auseinandergesetzt, als es eine Seite in dem Buch vermag.

Insgesamt ist es eine gelungenes Buch mit vielen Infos, aber wahrscheinlich eher für diejenigen, die sich zum ersten Mal mit dem Thema befassen. Manchmal kommt es etwas altbacken daher, wenn zum Beispiel ein Tipp ist, dass man seinen Computer früh ausmachen muss, damit man gut schlafen kann und auch ein Wecker mit leuchtenden Ziffern störend wirken kann, aber Smartphones, die mittlerweile die Wecker in Deutschen Haushalten verdrängt haben, nicht mit einem Ton erwähnt werden. Wer erste Infos über das wirklich spannendes Thema sucht, der findet kompaktes Wissen innerhalb kürzester Zeit, das nicht kompliziert rüber kommt. Wie gesagt, waren mir die Infos zu grundlegend, nett fand ich am Schluss aber, dass ihre Flamencolehrerin sie zu dem Buch inspiriert hat, denn Tanzen – klar, ihr wisst es schon – ist auch prima für das Gehirn.

Infos:

Für helle Köpfe: Fitness fürs Gehirn von Rita Steiniger, Patmos Verlag (2017)

128 Seiten

ISBN-13: 978-3843609371

13,- Euro

Bestsellerpotential?

Eher nicht, denn es ist schade, aber es interessieren sich immer noch viel zu wenige Menschen dafür wie sie – auch geistig – lange Zeit fit bleiben können, trotzdem für die breite Masse geeignet.

 

MüHeiHaMaFraLeCha 2018

Okay, ich gebe zu, der Titel ist nicht ganz eingängig, aber es ist alles drin, was drin sein muss. Heute habe ich eine neue Lesechallenge gestartet, allerdings nicht online, sondern mit Freunden und Bekannten. Tatsächlich sind es in diesem Jahr ausschließlich Freundinnen, denn die beiden Männer, die im vergangenen Jahr noch dabei waren, haben uns verlassen. Das lasse ich einfach mal unkommentiert stehen.

Die Abkürzung MüHeiHaMaFraLeCha steht für München, Heide, Hamburg, Mainz, Frankfurt, Lesechallenge, da Teilnehmerinnen aus all diesen Städten dabei sind. Die Idee ist, in einem Jahr, also bis Ende Februar 24 Bücher zu lesen, die in bestimmte Kategorien passen. Die Kategorien haben wir uns gemeinsam überlegt, jeder hat vier Vorschläge gemacht und ich habe dann unter Berücksichtigung der Vorjahreskategorien eine endgültige Auswahl getroffen. Neu in diesem Jahr sind zwei Pflichtbücher, die ich aus allen Einsendungen ausgelost habe.

Coole Idee, finde ich, ist aber nicht auf meinem Mist gewachsen, sondern habe ich aus Österreich importiert. Als ich meine Freundin in Wien besucht habe, entdeckte ich ihren Lesechallenge-Zettel auf einer Pinnwand. Ich wollte natürlich unbedingt mitmachen und durfte dann auch in die angestammte Runde und als ich einer Arbeitskollegin davon erzählte wollte sie auch unbedingt. Also haben wir vor zwei Jahren eine eigene Challenge gestartet. Daher kommt es das ich gleich bei zwei Offline-Challenges dabei bin und alle Online-Challenges verpasst habe, denn die starten ja meistens am Jahresanfang.

Auf jeden Fall geht mir der Lesestoff nicht aus und auch die neuen Ideen nicht, denn ein paar Kategorien sind schon eher so, dass man etwas recherchieren muss oder wüsstet ihr aus dem Stand ein Buch, das in eurem Geburtsjahr rausgekommen ist? Oder eins, das in Japan spielt? Ich muss da auf jeden Fall erstmal gucken, was ich passendes habe.

Alle Kategorien stelle ich morgen online, vielleicht habt ihr ja Lust eine eigene Challenge zu starten und braucht noch ein paar Ideen oder vielleicht wollt ihr mal aus eurer „Leseblase“ rauskommen und was völlig Neues entdecken. Und: Eine Challenge muss auch nicht immer am Jahresanfang beginnen. Bei uns ist es der März, weil wir immer einen Monat Pause zwischen den Leserunden einlegen. In dem Monat treffen wir uns und schnaufen mal durch.

Ich wünsche allen viel Spaß beim Lesen und ihren Challenges.