Spanisch lernen beim Lesen

Ich hatte in der Schule nur Latein und Englisch, also wollte ich danach unbedingt noch eine Fremdsprache lernen und war nach dem Abi ein Jahr als Au Pair in Barcelona. Ich hatte zwar in der Schule mal das Wahlfach Spanisch, aber so richtig weit hat mich das nicht gebracht, also habe ich bevor es losging nochmal einen Intensivkurs an der Volkshochschule belegt.

Ein bisschen was konnte ich da durchaus mitnehmen, vor allem die Aussprache und Basics, aber zum Überleben hat es leider nicht gereicht. Glück hatte ich vor allem an der Sprachenschule, bei der ich den Anfänger 2-Kurs belebt habe. Mit mir waren noch zwei Chinesinnen drin und eine Französin. Auf Chinesisch wusste ich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr als „Ni hao“ und beim Französischen sah es ähnlich aus. Lydie, die aus der Nähe von Besançon stammte, hatte zwar einige Jahre Englisch in der Schule, aber auch das war nur rudimentär, also beschlossen wir miteinander Spanisch zu sprechen.

Schon die erste Frage, ob wir nach dem Unterricht zusammen einen Kaffee trinken gehen wollten, hab ich nicht ganz verstanden und wie wild in meinem Wörterbuch, das ihr übrigens im Bild seht, geblättert. Im Café war die Szene ähnlich. Wir ratterten unsere Fragen und Antworten, die wir schon konnten, von „Woher kommst du?“, „Wie alt bist du?“ bis hin zu „Welche Hobbies hast du?“, runter und dann war unser Gespräch erschöpft und das große Im-Wörterbuch-Blättern begann.

Am Anfang war das fürchterlich nervig. Ich suchte etwas, stammelte einen Satz zusammen, dann suchte sie was sie nicht verstanden hatte, sagte „Ah, sí, sí.“, und blätterte weiter, um Wörter für ihre Antwort zu suchen. So ging es die ersten Tage, aber das erstaunliche war, dass es von Tag zu Tag besser wurde. Wir lernten in kürzester Zeit jede Menge neuer Wörter – nicht nur die, die wir im Unterricht durchnahmen – weil wir sie eben in der Freizeit dringend brauchten. Schon nach einigen Wochen war das Wörterbuch zwar immer noch unser täglicher Begleiter, wurde aber nur noch sehr selten zur Rate gezogen.

So habe ich relativ schnell Spanisch gelernt und danach auch studiert. Das Wörterbuch schaut zwar schon ganz schön zerfleddert aus, war mir in diesen Jahren aber eine große Hilfe. Während des Studiums war ich dann noch ein Jahr in Madrid, das war auch besonders schön und wenn mich die Leute jetzt immer Fragen, wo es denn toller ist, in Barcelona oder in Madrid, kann ich keine richtige Antwort geben. Mir sind beide Städte ans Herz gewachsen und ich fahre immer noch in unregelmäßigen Abständen dorthin. Erst im vergangenen Sommer war ich wieder in Barcelona.

Was hat das ganze denn jetzt mit meinem Buchtipp zu tun? Ich finde, man kann eine Sprache deutlich einfacher lernen, wenn mann jetzt nicht die Möglichkeit hat, im Ausland zu leben, wenn man Bücher liest und das so früh wie möglich. Es gibt ja diese Easy Reader und als ich mal Spanisch unterrichtet habe, habe ich auch den Anfängern gleich eine Lektüre auf Auge gedrückt, nämlich „Reunión de vecinos“ vom Verlag Difusión.

Natürlich ist das Buch für Level 1 nicht unbedingt eine literarische Gaumenfreude, aber die Geschichte ist ganz nett, es sind viele Dialoge drin, die man ja dann auch beim Sprechen braucht und man bekommt ein bisschen was von der Kultur mit. Meinen Schüler haben sich zwar etwas schwer getan, weil ich es relativ früh eingesetzt habe, aber ich finde es auch gut, wenn man mal längere Passagen lesen kann und nicht nur die kurzen Dialoge im Lehrbuch. Ich kann es allen nur empfehlen, sehr früh mit Büchern anzufangen, auch schon als Anfänger und wer sich dann eben noch nicht an „richtige“ Bücher oder Artikel rantraut, auch mal einen Easy Reader zur Hand zu nehmen.

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