Simon Beckett: Tiere

Bisher hatte ich von Simon Beckett nur „Die Chemie des Todes“ und „Kalte Asche“ gelesen. Beide Thriller sind aus der „David-Hunter-Reihe“. Das heißt Protagonist und Mitaufklärer der Fälle ist der forensische Anthropologe David Hunter. Mit beiden Büchern hatte Beckett großen Erfolg und auch ich fand sie faszinierend. Simon Beckett versteht es den Leser besonders am Anfang blitzschnell in die Handlung hineinzuziehen und zu schockieren. Außerdem schafft er es einen bis zum Schluss zu fesseln.

„Tiere“ ist wie die anderen Bücher von Beckett nicht sehr dick. Rund 280 Seiten. Da müsste man eigentlich denken, dass Beckett es schaffen könnte auch dieses Mal bis zum Schluss zu begeistern. Um das Fazit vorwegzunehmen, es hat nicht geklappt. Das soll nicht heißen, dass das Buch nicht gut ist.

Der Anfang ist unglaublich verstörend. Sofort steckt man drin und will mehr erfahren. Mehr wissen über diesen kranken Nigel, der Menschen wie Tiere in Käfigen in seinem Keller hält. Mehr wissen über die Umstände, das Warum? Hier schafft es Beckett wieder einmal die Neugier, den Voyeurismus der Leser zu entflammen.

Man erfährt Nigel hatte es nie leicht. Schon als Kind war er Außenseiter. Mit seinen Eltern, die mittlerweile verstorben sind, hat ihn auch nicht viel verbunden. Und wie sollte es anders sein. Auch in seinem jetztigen Job ist er nicht gerade der beliebteste. Erst als zwei Kolleginnen erfahren, dass er in einem Pub wohnt, wird er interessant und an einem Feiertag statten sie ihm einen Besuch ab.

Bis dahin war ich gefesselt. Ich mag Becketts Art zu schreiben. Klar, spannend, fesselnd, irgendwie anders. Seine Figuren haben ein ganz scharfes Profil, sind lebendig. Trotzdem finde ich hat er es diesmal nicht geschafft den berühmten Spannungsbogen bis zum Ende zu halten. Nach etwa 2/3 des Buches plätschert die Handlung dahin, auch den Schluss fand ich wenig aufschlussreich. Irgendwie fehlt etwas.

Simon Beckett selbst sagt im Vorwort seines Buches, dass er mit „Tiere“ sein bösestes Werk geschaffen hat. Das mag zwar stimmen, wenn man sich seine Idee betrachtet, doch im Vergleich zu seinen anderen Thrillern fällt er meiner Meinung leider ab.

Die Raymond Chandler Society hat das aber anders gesehen und das Buch 1995 mit dem „Marlowe“ als „Besten internationalen Spannungsroman“ ausgezeichnet. Es ist die erste Auszeichnung, die Simon Beckett bisher erhalten hat. Das Buch ist im Original 1995 unter dem Titel „Animals“ erschienen.

Von mir erhält „Tiere“ von Simon Beckett  7 von möglichen 10 Punkten. Es ist spannend und gute Unterhaltung für Zwischendurch, allerdings fehlt mir das gute aufschlussreiches Ende.

Bewertung:

7/10

Der Autor:

Simon Beckett wurde 1968 in Sheffield, England, geboren. Nach seinem MA in Englisch arbeitete er unter anderem als Hausmeister, Lehrer in Spanien und Schlagzeuger bevor er sich ganz dem Schreiben widmete. Zunächst schrieb er als Journalist für verschiedene englische Zeitungen. Während der Arbeit erhielt er Einblick in die Arbeit der Polizei, was er in seinen Büchern verarbeitet.

Sein erstes Buch „Voyeur“ (Original: „Fine Lines“) erschien 1994 in England und wurde in Deutschland erst 2010 veröffentlicht. Den Durchbruch schaffte er 2006 mit dem ersten Band der David-Hunter-Reihe „Die Chemie des Todes“ (Original: „The Chemistry of Death“).

Seine Romane wurden weltweit rund sieben Millionen Mal verkauft und in 28 Sprachen übersetzt. Simon Beckett ist verheiratet und lebt derzeit in seiner Geburtsstadt.

Bisher hat er acht Bücher sowie eine Kurzgeschichte veröffentlicht, die alle ins deutsche übersetzt wurden.

Quelle: simonbeckett.com

Infos:

Der Thriller „Tiere“ von Simon Beckett ist als Taschenbuch bei Rowohlt (rororo) erschienen.

284 Seiten

Preis: 9,99 € (Österreich: 10,30€)

ISBN: 978-3-499-24915-0


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