Reading Challenge 2018

Ich hatte ja schon über die beiden Challenges geschrieben, die ich in diesem Jahr „erlesen“ will.

Eine ist die ganz schlicht „Reading Challenge 2018“ mit Freunden und Bekannten aus Wien. Ein Jahr lang, genau vom 1.1. bis zum 31.12. lesen wir 24 Bücher – in den vergangenen Jahren waren es immer 30 und ich habe es nie geschafft.

In diesem Jahr gab es eine Neuerung. Wir sind sechs Teilnehmer, jeder stellt darf eine Kategorie weniger vorschlagen und es gibt auch noch „Pflichtlektüre“. Ein Buch von jedem. Das fand ich auf jeden Fall eine interessante Neuerung. Da spricht man dann nicht nur über viele unbekannte Bücher, wir treffen uns ja nach der Challenge und quatschen alles durch, sondern diesmal auch über zumindest sechs Bücher, die die meisten kennen.

Hier die Kategorien, außerdem werde ich dafür eine Seite einrichten und alle Bücher, die reinpassen und ich gelesen habe, natürlich auch rezensieren und dann reinstellen.

Vielleicht wird der eine oder andere ja von einer Kategorie inspiriert. Ich finde es immer ganz spannend, weil man für einige Kategorien auch erstmal ein bisschen recherchieren muss… Und über Tipps freue ich mich natürlich auch!

Also, das ist die Reading Challenge 2018:

  1. Ein Hugo Award Nominee für Best Novel
  2. Ein Buch das in einer TV-Serie erwähnt wurde
  3. Ein Goodreads „Best Book“ Gewinner
  4. Ein Buch eines koreanischen Autors/Autorin.
  5. Eine Graphic Novel.
  6. Ein Buch, in dessen Titel sowohl ein „ü“ als auch ein „ä“ vorkommen.
  7. Ein Buch, das in Brüssel spielt oder mit Brüssel zu tun hat.
  8. Whodunnit Krimi
  9. Ein Buch, das Zeitreisen zum Thema hat.
  10. Eine Dystopie
  11. Ein Familien-Roman oder Generationen-Roman
  12. Ein Buch mit Katze
  13. Eine 2017 Neuerscheinung
  14. Ein Spiegel-Bestseller
  15. Buch mit Kurzgeschichten
  16. Ein Agenten-/Geheimdienstroman
  17. Ein Buch mit dem Wort Macht oder Unmacht im Titel oder Klappentext
  18. Was mit Bezug zu Karl Marx.

 

Pflichtlektüre:

Alice Schwarzer „Der kleine Unterschied“

Helene Hanff „84, Charing Cross Road”

Margaret Atwood „Alias Grace”

Roland Topor „Memoiren eines alten Arschlochs (eine fiktive Autobiografie)“

Georgi Gospodinov „Physik der Schwermut“

Juli Zeh „Corpus Delicti“

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Spanisch lernen beim Lesen

Ich hatte in der Schule nur Latein und Englisch, also wollte ich danach unbedingt noch eine Fremdsprache lernen und war nach dem Abi ein Jahr als Au Pair in Barcelona. Ich hatte zwar in der Schule mal das Wahlfach Spanisch, aber so richtig weit hat mich das nicht gebracht, also habe ich bevor es losging nochmal einen Intensivkurs an der Volkshochschule belegt.

Ein bisschen was konnte ich da durchaus mitnehmen, vor allem die Aussprache und Basics, aber zum Überleben hat es leider nicht gereicht. Glück hatte ich vor allem an der Sprachenschule, bei der ich den Anfänger 2-Kurs belebt habe. Mit mir waren noch zwei Chinesinnen drin und eine Französin. Auf Chinesisch wusste ich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr als „Ni hao“ und beim Französischen sah es ähnlich aus. Lydie, die aus der Nähe von Besançon stammte, hatte zwar einige Jahre Englisch in der Schule, aber auch das war nur rudimentär, also beschlossen wir miteinander Spanisch zu sprechen.

Schon die erste Frage, ob wir nach dem Unterricht zusammen einen Kaffee trinken gehen wollten, hab ich nicht ganz verstanden und wie wild in meinem Wörterbuch, das ihr übrigens im Bild seht, geblättert. Im Café war die Szene ähnlich. Wir ratterten unsere Fragen und Antworten, die wir schon konnten, von „Woher kommst du?“, „Wie alt bist du?“ bis hin zu „Welche Hobbies hast du?“, runter und dann war unser Gespräch erschöpft und das große Im-Wörterbuch-Blättern begann.

Am Anfang war das fürchterlich nervig. Ich suchte etwas, stammelte einen Satz zusammen, dann suchte sie was sie nicht verstanden hatte, sagte „Ah, sí, sí.“, und blätterte weiter, um Wörter für ihre Antwort zu suchen. So ging es die ersten Tage, aber das erstaunliche war, dass es von Tag zu Tag besser wurde. Wir lernten in kürzester Zeit jede Menge neuer Wörter – nicht nur die, die wir im Unterricht durchnahmen – weil wir sie eben in der Freizeit dringend brauchten. Schon nach einigen Wochen war das Wörterbuch zwar immer noch unser täglicher Begleiter, wurde aber nur noch sehr selten zur Rate gezogen.

So habe ich relativ schnell Spanisch gelernt und danach auch studiert. Das Wörterbuch schaut zwar schon ganz schön zerfleddert aus, war mir in diesen Jahren aber eine große Hilfe. Während des Studiums war ich dann noch ein Jahr in Madrid, das war auch besonders schön und wenn mich die Leute jetzt immer Fragen, wo es denn toller ist, in Barcelona oder in Madrid, kann ich keine richtige Antwort geben. Mir sind beide Städte ans Herz gewachsen und ich fahre immer noch in unregelmäßigen Abständen dorthin. Erst im vergangenen Sommer war ich wieder in Barcelona.

Was hat das ganze denn jetzt mit meinem Buchtipp zu tun? Ich finde, man kann eine Sprache deutlich einfacher lernen, wenn mann jetzt nicht die Möglichkeit hat, im Ausland zu leben, wenn man Bücher liest und das so früh wie möglich. Es gibt ja diese Easy Reader und als ich mal Spanisch unterrichtet habe, habe ich auch den Anfängern gleich eine Lektüre auf Auge gedrückt, nämlich „Reunión de vecinos“ vom Verlag Difusión.

Natürlich ist das Buch für Level 1 nicht unbedingt eine literarische Gaumenfreude, aber die Geschichte ist ganz nett, es sind viele Dialoge drin, die man ja dann auch beim Sprechen braucht und man bekommt ein bisschen was von der Kultur mit. Meinen Schüler haben sich zwar etwas schwer getan, weil ich es relativ früh eingesetzt habe, aber ich finde es auch gut, wenn man mal längere Passagen lesen kann und nicht nur die kurzen Dialoge im Lehrbuch. Ich kann es allen nur empfehlen, sehr früh mit Büchern anzufangen, auch schon als Anfänger und wer sich dann eben noch nicht an „richtige“ Bücher oder Artikel rantraut, auch mal einen Easy Reader zur Hand zu nehmen.

Für’s Lesen werben

Die Leipziger Buchmesse beginnt morgen. Leider fahre ich nicht hin, obwohl ich es mir schon so oft vorgenommen habe. Vielleicht nächstes Jahr und dann nehme ich eine gute Freundin aus dem hohen Norden mit, die auch jedes Jahr auf’s Neue seufzt, dass sie es wieder nicht geschafft hat. Wie in jedem Jahr gibt es im Vorfeld viel Berichterstattung und  das Lesen ist bei uns immer noch so wichtig, dass sich unsere Bundeskanzlerin persönlich zu Wort meldet.

Sie will „Für’s Lesen werben“, weist darauf hin wie wichtig lesen ist und empfiehlt Goethe und Schiller, heißt es in verschiedenen Medien. Doch kann man eigentlich werben, dass jemand liest?

Schwierig. Entweder liest man gerne oder nicht. Das „Werben“ müssen aus meiner Sicht die Eltern übernehmen und Kindern schon früh zeigen, welche tollen Welten, Figuren und Geschichten sie in Büchern entdecken können. Ich habe so lange ich denken kann immer schon gerne und auch viel gelesen, meistens parallel mehrere Bücher, eine Zeit lang wirklich nur eins nach dem anderen. Manchmal um die 70 pro Jahr, manchmal nur 17. Je nachdem wie viel Zeit ich anderen Hobbies gewidmet habe.

Dieses Jahr habe ich schon sehr viel gelesen, weil ich etwas mehr Zeit habe als in den vergangenen Jahren, aber auch weil ich mir die Zeit genommen habe. Aber nochmal zurück zu den Leseanfängern. Bei mir hat es tatsächlich geklappt, weil meine Mutter mir jeden Tag eine Geschichte erzählt hat. Sie hat tatsächlich nicht vorgelesen, sondern sich ständig neue spannende Abenteuer ausgedacht. Ich habe immer Bücher bekommen und wollte dann auch unbedingt schnell lesen können, deshalb hat es mir meine Mutter auch beigebracht bevor ich in die Schule gekommen bin. Auch in die Bücherei wollte ich ständig und habe den Ausweis meines Vaters bekommen.

Meine Erfahrung mit dem Lesen war also eine sehr positive. Es gab tatsächlich auch nie eine Zeit in der ich gar nicht gelesen habe. Bei einer Freundin war es ganz anders. Sie hat sich mit dem Lesen sehr schwer getan, wurde dann von ihren Eltern gezwungen jeden Tag so und so viele Seiten zu lesen und hatte da überhaupt keine Lust dazu. Heute schaut sie nur in Magazine, durch diese negative erste Erfahrung ist sie nicht zur Bücherratte geworden.

Werben für’s Lesen heißt aus meiner Sicht den Eltern gute Bücher zeigen, die sie mit ihren Kindern entdecken können, dann lässt sich der Spaß am Lesen hoffentlich nicht mehr los. Aber vielleicht habt ihr ja andere Erfahrungen gemacht und seid erst über Umwege zur Literatur gekommen? Ich freue mich über eure Geschichte.

Ray Bradbury: Fahrenheit 451

Den Titel kennt fast jeder, dass es sich bei „Fahrenheit 451“ um einen Klassiker aus dem Bereich Utopie handelt, ist auch bekannt, doch ich muss gestehen, ich habe mir oft vorgenommen, das Buch zu lesen, es aber lange nicht geschafft. Welch Glück, dass in der vergangenen Lesechallenge (MüHeiHaMaLeCha 2017) eine Kategorie „Eine Utopie“ war. Da Bradbury schon lange auf meiner Liste stand, habe ich mich dann für das schmale Büchlein entschieden und die englische Version bestellt.

Leider hat mich schon die erste Überschrift etwas überfordert und abgeschreckt „The Heath and the Salamander“. Kurz ein Fragezeichen in meinem Gesicht, dann im Wörterbuch gespickt. In der deutschen Übersetzung heißt es „Häuslicher Herd und Salamander“ und bei mir: immer noch ein Fragezeichen. Leider hat es sich so die ersten Absätze durchgezogen und wenn ich ständig Wörter nachgucken muss und so gar nicht in das Buch reinkomme, macht es mir keinen Spaß mehr. Also war meine Konsequenz, dass ich mir die deutsche Ausgabe vom Diogenes Verlag als E-Book runtergeladen. Eine Ausgabe von 2015, der Text folgt der 2003 vom Autor überarbeiteten Jubiläumsausgabe mit einer neuen Einleitung und einem neuen Nachwort.

Da war es um mich geschehen. Ich liebe Klassiker, die einige Jahre oder Jahrzehnte nach dem Verfassen kritisch von ihren Autoren betrachtet werden und nicht überarbeitet, sondern mit einer Einleitung oder Kommentaren versehen werden. Mir macht das deutlich mehr Spaß als Lektürehelferlein von Reclam oder anderen einschlägigen Verlagen. Die Jubiläumsausgabe ist tatsächlich 50 Jahre nach der Veröffentlichung von „Fahrenheit 451“ erschienen. Dass der Autor dann noch lebt und über die Entstehung erzählt ist wirklich cool.

Aber vielleicht erst einmal etwas zum Inhalt. In der Welt die Bradbury beschreibt, sind Bücher nicht gerne gesehen. Die Feuerwehr ist nicht dafür zuständig Brände zu löschen, denn in den feuerfesten Häusern ist das gar nicht mehr nötig. Sie verbrennen Bücher, sobald irgendwo noch welche auftauchen, denn Bücher zu besitzen ist streng verboten. Die Hauptfigur Guy Montag ist Feuerwehrmann und macht sich über seine Aufgabe gar nicht so viele Gedanken bis er sich ein paar Mal mit einem Mädchen aus der Nachbarschaft unterhält. Vielleicht wäre es doch mal spannend in so ein Buch hineinzusehen?

Insgesamt ist die Geschichte kurz und knapp. Die englische Ausgabe hat 158 Seiten. Ray Bradbury erklärt in seinem Vorwort, dass der Kurzroman „Fahrenheit 451“ aus einer Kurzgeschichte entstanden ist, die im Magazin „Galaxy Science Fiction“ und dem Titel „Der Feuerwehrmann“ erschienen ist. Ein Verleger erkannte laut des Autors das Potential der Geschichte und wollte es gerne als Buch verlegen, wenn er aus der 25.000 Wörtern-Geschichte eine doppelt so lange machen könnte. Geschrieben hatte er sie übrigens im Keller der UCLA. Dort konnte man sich eine Schreibmaschine für zehnt Cent pro Stunde ausleihen. Und für etwas über neun Dollar hat er sie in kürzester Zeit fertig gestellt.

Die Suche nach einem Zeitungsverleger, der Teile der Geschichte vorab druckte, stellte sich als deutlich schwieriger raus, als gedacht. In der McCarthy-Ära war es fast ein bisschen wie in seinem Buch. Unliebsame Bücher wurden aus den Büchereien entfernt, heißt es in dem Nachwort und keiner wollte bei so einem kritischen Buch, mit im Boot sein. Bis auf einen: Hugh Hefner. Ja, tatsächlich, es geht um den mittlerweile verstorbenen Herausgeber des Playboy. Zu dieser Zeit war er ein junger Redakteur, beschreibt Bradbury, ohne Bargeld, aber voller Zukunftsversionen. Er kauft das Manuskript für 450 Dollar. Und so ist „Fahrenheit 451“ in der zweiten, dritten und vierten Ausgabe seines frisch entstandenen Magazins erschienen. Coole Geschichte, oder?

Falls sich jemand fragt, was der Titel überhaupt zu bedeuten hat, 451 Fahrenheit (also 232° Celsius) ist die Temperatur, bei der Bücherpapier Feuer fängt und verbrennt. Ob das wirklich so ist, weiß ich nicht genau. In verschiedenen Quellen habe ich gelesen, dass die Temperatur wohl die ist, bei der Viskose Feuer fängt und verbrennt und dass Bradbury das leider etwas falsch interpretiert hat, denn Buchseiten bestehen meistens nicht aus Viskose. Egal, ist ja auch nur Klugscheißerei auf die ich selbst sowieso nicht gekommen wäre.

Natürlich wurde „Fahrenheit 451“ schon verfilmt. 1966 von Francois Truffaut. Allerdings hat er einiges an der Geschichte verändert, was wohl auch in den Kritiken eher negativ aufgenommen wurde. Im Frühjahr dieses Jahres kommt bei HBO ein neuer Film zum Buch heraus. Den Film-Trailer gibt es schon. Wahrscheinlich haben sie ja auch dieses Mal einige Änderungen am Original vorgenommen. Aus meiner Sicht kann es nicht schaden, denn insgesamt fehlt dem Roman ein bisschen der Drive. Natürlich ist er sehr kurz, aber er endet auch sehr abrupt.

Zum Schluss noch ein kleiner Funfact: Ray Bradbury hat für sein Buch „Fahrenheit 451“ den Huga Award bekommen, wohl den wichtigsten Science Fiction-Preis in den USA. Allerdings nicht als das Buch 1953 herausgekommen ist – übrigens auch das Jahr in dem der Preis zum ersten Mal verliehen wurde – sondern genau 50 Jahre später, also sogenannter Retro-Preis. Der geht an Werke, die den Preis verdient hätten:

Science Fiction has been going a lot longer that the Hugos, so many famous works never got the chance to win an Award. The WSFS Constitution gives Worldcons the right to award Hugos for a year 50, 75 or 100 years in the past, provided only that there was a Worldcon in that year but no Hugos Award election happened that year. Not all Worldcons choose to do this. (Quelle: http://www.thehugoawards.org)

Über zu wenige Preise muss sich Ray Bradbury aber nicht beschweren. Der Autor hat einige abgeräumt. Zuletzt wurde er 2007 im Rahmen der Pulitzer-Preisverleihung für sein Lebenswerk geehrt. Ray Bradbury lebte von 1920-2012.

Dostojewskij, Heftroman und Sachbücher

Kennt ihr das auch? Da liegt ein ganzer Stapel Bücher und ihr könnt euch einfach nicht entscheiden welches jetzt das nächste sein sollte?

Mir geht es regelmäßig so, deshalb lese ich meistens mehrere Bücher parallel. Häufig sind es nur zwei oder drei, aber manchmal können es auch acht, neun oder zehn sein. Je nachdem wo ich bin, wie viel ich zu tun habe, wie viel Zeit ich habe und vor allem wie spannend die Bücher sind. Manche muss man auch mal hinlegen, wie zum Beispiel Kurzgeschichten-Bände. Da kann ich einfach nicht eine nach der anderen weglesen, die müssen ja schließlich auch ein bisschen nachwirken.

Diese Woche habe ich mehr Zeit als sonst, mir deshalb allerdings auch viele Dinge vorgenommen. Fakt ist jedenfalls, dass ich im Buchladen war, in der Onleihe gestöbert habe, in meinen Bücherstapeln gewühlt habe, ein Päckchen von der Bundeszentrale für politische Bildung bekommen habe und auch noch in der „normalen“ Bücherei war, mit verheerenden Auswirkungen.

Ich lese nämlich so viele Bücher parallel, dass ich schon fast den Überblick verloren habe und echt froh bin, wenn ich eins durch habe. Darunter sind „Schuld und Sühne“ von Fjodor Dostojewskij, ein Sachbuch übers Sprachenlernen, ein Heftroman (natürlich nur zu Recherchezwecken), „Lettipark“ von Judith Herman (Ein Erzählband), „Viva Polonia“ von Steffen Möller“, ein Buch über die Geschichte Polens, ein Buch über die Geschichte der Ukraine, Stephen Kings „Brennen muss Salem“ und „Mutprobe“ von Bascha Mika. Neun sind es insgesamt und ich muss zugeben, dass ich ganz tapfer war und fünf wieder auf den Stapel gelegt habe, weil irgendwann wird es dann doch unübersichtlich.

Eigentlich hätte ich tatsächlich mehr Zeit zu lesen, doch andererseits nutze ich die Zeit gerade mehr um zu schreiben und andere Projekte anzustoßen, deshalb schrumpft der Stapel kaum (naja, immerhin habe ich gestern den Comic „Dr. Who – Die vier Doktoren“ beendet) und das macht mir ein schlechtes Gewissen. Schlimm, oder? Schlechtes Gewissen wegen Bücher liegen lassen. Bitte sagt mir jetzt, dass es euch auch manchmal so geht. Jetzt muss ich aber wirklich aufhören und lesen oder eher schreiben und dann lesen… oder so.

Schreiben wie ein Weltmeister

Ich lese nicht nur gerne, in den vergangenen Wochen habe ich auch viel geschrieben. Und auch beim Schreiben bin ich, genauso wie beim Lesen, nicht auf ein Genre fixiert, sondern tippe mich munter durch verschiedene durch. Im Herbst habe ich hier in München eine Schreibgruppe über MeetUp gefunden. Wir haben uns ein paar Mal im Büro eines Teilnehmers getroffen. Mittlerweile sind fast jeden Montag in einem Café verabredet und hauen in die Tasten. Die meisten jedenfalls, einige bevorzugen doch noch Stift und Papier oder schreiben auf ihr Tablet.

Ich habe meistens meinen Laptop dabei und nach etwa vier Stunden ist der Akku alle und ich habe richtig was geschafft. In so einer geschäftigen Atmosphäre in der alle fleißig tippen, fällt es mir deutlich leichter mich zu konzentrieren und einiges auf’s Papier zu bringen, als wenn ich alleine an meinem Schreibtisch sitze. Spaß macht es auf jeden Fall, doch sowohl beim Lesen als auch beim Schreiben bin ich etwas sprunghaft. Das heißt ich lese mehrere Bücher parallel und mittlerweile schreibe ich auch mehrere Dinge parallel.

Ausschlaggebend war ein Gespräch während eines Schreibtreffens. Ich erklärte, dass es mir schwer fiele mich die ganze Zeit auf ein Projekt zu konzentrieren. Schließlich dauere es ja lange, bis so ein Schreibprojekt beendet sei. Die Antwort eines Teilnehmers, der bereits einen langen Roman fertiggestellt hat: „Aber du liest ja auch nicht mehrere Bücher parallel.“ – Und da fiel es mir wie Schuppen von den Augen – um jetzt mal diese schreckliche Floskel zu bemühen. Doch, mach ich ja schon! Warum kann ich dann nicht parallel schreiben? Ach so. Kann ich ja doch. Seitdem schreibe ich in 11 verschiedenen Ordnern an Sachbüchern, Romanen, Krimis und Kurzgeschichten.

Natürlich dauert das auch viel länger, als wenn man nur eine Idee verfolgen würde, aber da bei mir ständig neue Einfälle aufploppen, muss ich die zeitnah verarbeiten und so kann ich persönlich einfach besser schreiben. Das erste Exposé ist tatsächlich auch schon in der Endphase. Ich versuche es am Wochenende fertig zu stellen. Dann bekommen es noch zwei Freunde von mir und eine Woche später will ich es dann an einen Verlag schicken.

Um was für ein Buch es sich handelt, will ich noch nicht verraten, es könnte ja sein, dass es nicht klappt… Ihr versteht. Aber sobald es Neuigkeiten gibt, werde ich sie natürlich verkünden. Bis dahin versuche ich täglich zu schreiben. In den vergangenen Tagen hat das leider nicht so gut geklappt, aber jetzt bin ich wieder dran. Wie sollte es anders sein. Auch beim Schreiben bin ich bei einer Challenge dabei. Das motiviert mich einfach sehr. Ziel ist, jeden Tag 1.000 Wörter zu schreiben und heute habe ich mein Ziel fast erreicht.

MüHeiHaMaFraLeCha 2018

Okay, ich gebe zu, der Titel ist nicht ganz eingängig, aber es ist alles drin, was drin sein muss. Heute habe ich eine neue Lesechallenge gestartet, allerdings nicht online, sondern mit Freunden und Bekannten. Tatsächlich sind es in diesem Jahr ausschließlich Freundinnen, denn die beiden Männer, die im vergangenen Jahr noch dabei waren, haben uns verlassen. Das lasse ich einfach mal unkommentiert stehen.

Die Abkürzung MüHeiHaMaFraLeCha steht für München, Heide, Hamburg, Mainz, Frankfurt, Lesechallenge, da Teilnehmerinnen aus all diesen Städten dabei sind. Die Idee ist, in einem Jahr, also bis Ende Februar 24 Bücher zu lesen, die in bestimmte Kategorien passen. Die Kategorien haben wir uns gemeinsam überlegt, jeder hat vier Vorschläge gemacht und ich habe dann unter Berücksichtigung der Vorjahreskategorien eine endgültige Auswahl getroffen. Neu in diesem Jahr sind zwei Pflichtbücher, die ich aus allen Einsendungen ausgelost habe.

Coole Idee, finde ich, ist aber nicht auf meinem Mist gewachsen, sondern habe ich aus Österreich importiert. Als ich meine Freundin in Wien besucht habe, entdeckte ich ihren Lesechallenge-Zettel auf einer Pinnwand. Ich wollte natürlich unbedingt mitmachen und durfte dann auch in die angestammte Runde und als ich einer Arbeitskollegin davon erzählte wollte sie auch unbedingt. Also haben wir vor zwei Jahren eine eigene Challenge gestartet. Daher kommt es das ich gleich bei zwei Offline-Challenges dabei bin und alle Online-Challenges verpasst habe, denn die starten ja meistens am Jahresanfang.

Auf jeden Fall geht mir der Lesestoff nicht aus und auch die neuen Ideen nicht, denn ein paar Kategorien sind schon eher so, dass man etwas recherchieren muss oder wüsstet ihr aus dem Stand ein Buch, das in eurem Geburtsjahr rausgekommen ist? Oder eins, das in Japan spielt? Ich muss da auf jeden Fall erstmal gucken, was ich passendes habe.

Alle Kategorien stelle ich morgen online, vielleicht habt ihr ja Lust eine eigene Challenge zu starten und braucht noch ein paar Ideen oder vielleicht wollt ihr mal aus eurer „Leseblase“ rauskommen und was völlig Neues entdecken. Und: Eine Challenge muss auch nicht immer am Jahresanfang beginnen. Bei uns ist es der März, weil wir immer einen Monat Pause zwischen den Leserunden einlegen. In dem Monat treffen wir uns und schnaufen mal durch.

Ich wünsche allen viel Spaß beim Lesen und ihren Challenges.